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Devarim
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copyright 2012 Hanna Liss u. Bruno Landthaler
(26) Wenn du nun bald in das Land kommst, das der Ewige, dein Gott, dir schon lange versprochen hat, dann sollst du die erste Ernte *von den sieben Arten* zusammentragen und in einem Korb an den Ort bringen, den der Ewige dir dafür bestimmen wird, also zum Heiligtum. Dort sollst du zum Kohen gehen und ihm sagen: „Ich will dem Ewigen berichten, dass ich in das Land gekommen bin, das der Ewige mir und meinen Vorvätern schon versprochen hat.“
Wenn du das gesagt hast, dann soll der Kohen den Korb aus deiner Hand nehmen und ihn vor den Altar des Ewigen stellen. Dann sollst du sagen: „*Der Aramäer wollte meinen Vater vernichten*, deshalb zog er nach Ägypten und wohnte dort eine ganze Weile. Zunächst waren sie nur wenige, aber sie wurden immer mehr, bis sie ein mächtiges Volk geworden waren. Aber die Ägypter behandelten uns schlecht, und sie zwangen uns zu harter Arbeit. Endlich schrien wir zum Ewigen, dem Gott unserer Väter, und baten ihn, uns zu helfen. Und tatsächlich: Er hörte auf uns, er sah unser Unglück, und er führte uns mit seiner starken Hand und mit mächtigen Wundern aus Ägypten heraus. Und der Ewige brachte uns bis hierher in dieses Land, das er uns versprochen hat, in das Land, in dem Milch und Honig fließen. Und ich stehe nun hier und bringe die ersten Früchte dieses Landes dem Ewigen.“
Daraufhin sollst du den Korb vor den Ewigen, deinen Gott, hinstellen, und dich selbst sollst du niederwerfen vor dem Ewigen, deinem Gott. Und so sollst du dich über alles Gute, das der Ewige dir gegeben hat, freuen, du selbst, der Lewite und auch der Fremde, der bei dir wohnt.
Wenn du nun schon eine zeitlang im Land gewohnt hast, und du hast alle Abgaben für die Lewiten und auch für die Armen abgegeben, so dass sie auch zu essen haben, dann sollst du vor dem Ewigen, deinem Gott, sagen:
„Ich habe das Heilige, die Abgaben für die Lewiten und für die Armen, abgeliefert, genauso, wie du es mir befohlen hast. Ich habe keines deiner Gebote dabei missachtet. Ich habe von den Abgaben nichts, aber auch gar nichts, gegessen, ich habe ganz und gar auf die Stimme des Ewigen gehört und alles genau so getan, wie du, Ewiger, es von mir verlangt hast. Deshalb bitte ich dich, schau auf mich herab und segne das Volk Jisrael. Auch den Boden, den du uns versprochen und uns gegeben hast, auch dieses Land, das von Milch und Honig nur so fließt, segne und lasse es gedeihen, damit unser Ertrag immer üppig sein wird.
An diesem Tag befiehlt dir der Ewige, dein Gott, alle Gebote und Vorschriften sehr genau zu beachten, *als ob heute der Ewige dir die Gebote gibt*. Halte dich an die Gebote mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele. Der Ewige hat heute von dir gehört, dass du ihn als deinen Gott anerkennen möchtest und dass du ganz so leben möchtest, wie der Ewige es dir befohlen hat. Und du hast ihm auch gesagt, dass du ihm stets Freude machen möchtest. Damit er dich berühmt werden lässt vor allen anderen Völkern und damit du dem Ewigen ein heiliges Volk wirst.
(27) Dann traten Mosche und Aharon vor und sagten dem Volk: „Wenn du nun den Jordan überquerst und in das Land, das der Ewige, dein Gott, versprochen hat, kommst, dann sollst du große Steine aufstellen, und die ganze Lehre, die du gehört hast, auf diese Steine schreiben. Diese Steine sollst du auf dem Berg Ebal aufstellen, auch einen Altar sollst du dort dem Ewigen errichten, einen Altar aus ganz unbehauenen Steinen. Dann sollst du verschiedene Opfer auf diesem Altar bringen, und die Opfer sollst du dort essen. Und sollst fröhlich sein vor dem Ewigen, deinem Gott. Und auf die Steine schreibe die ganze Lehre.“
Und Mosche und die Kohanim sagten zum ganzen Volk: „Sei einmal still und höre, Jisrael! Am heutigen Tag bist du zum Volk des Ewigen geworden. So höre denn auf die Stimme des Ewigen und halte dich an die Gebote und Vorschriften.“
Dann sagte Mosche zum ganzen Volk: „Wenn ihr über den Jordan zieht, dann sollen folgende Stämme auf dem Berg Gerisim stehen, um die Segensworte für das Volk zu sagen: Schimon, Lewi, Jehuda, Jissachar, Josef und Benjamin. Und folgende Stämme sollen auf dem Berg Ebal stehen, um die Fluchworte für das Volk zu sagen: Reuven, Gad, Ascher, Sevulun, Dan und Naftali. Und dann sollen die Lewiten mit lauter Stimme ausrufen:
„Verflucht sei, wer sich ein Götzenbild macht und es für sich aufstellt und das Volk sage: Amen.
Verflucht sei, wer Vater und Mutter gegenüber unverschämt kommt und das Volk sage: Amen.
Verflucht sei, wer die Grenzen zu seinem Nachbarn verändert und das Volk sage: Amen.
Verflucht sei, wer einen Blinden in die Irre führt und das Volk sage: Amen.
Verflucht sei, wer das Recht eines Schutzbedürftigen beugt und das Volk sage: Amen.
Verflucht sei, wer sich mit einer verwandten Frau einlässt und mit ihr schläft und das Volk sage: Amen.
Verflucht sei, wer sich bestechen lässt und das Volk sage: Amen.
Verflucht sei, wer die Gebote der Tora nicht hält und ihnen keine Achtung verschafft und das Volk sage: Amen.
(28) Wenn du aber auf den Ewigen, deinen Gott, hörst und alle seine Gebote einhälst, dann wird dich der Ewige, dein Gott, vor alle anderen Völker stellen. Du wirst dann auch gesegnet sein.
Gesegnet bist du in der Stadt, gesegnet auf dem Land.
Gesegnet sind deine Nachkommen, gesegnet alle deine Früchte.
Gesegnet bist du, wenn du heimkommst, gesegnet, wenn du hinausgehst.
Deine Feinde werden auf einem Weg gegen dich antreten, aber auf sieben Wegen vor dir fliehen.
Wenn du alle Gebote einhälst, dann wirst du ein heiliges Volk sein. Und alle anderen Völker werden dann sehen, dass du ein Volk Gottes bist, und sie werden dich fürchten.
Und der Ewige wird dir von deinem Boden, den er dir versprochen hat, im Überfluss geben. Aber du musst die Gebote einhalten, nicht rechts oder links von ihnen abweichen, du darfst keinen falschen Göttern nachlaufen.
Wenn du aber die Gebote nicht einhälst und nicht auf den Ewigen, deinen Gott, hörst und du fremden Göttern nachläufst, dann wird dich der Fluch einholen und du wirst nicht glücklich sein.
Verflucht bist du in der Stadt, verflucht auf dem Land.
Verflucht sind deine Nachkommen, verflucht alle deine Früchte.
Verflucht bist du, wenn du heimkommst, verflucht, wenn du hinausgehst.
Du wirst auf einem Weg gegen deine Feinde antreten, aber auf sieben Wegen vor ihnen fliehen.
All dein Tun wird dann verflucht sein, deine Ernte wird nicht taugen. Wenn du Böses tust, dann wirst du verflucht sein und bald wirst du ausgetilgt sein. Du wirst getroffen werden von Krankheit und Geschwüren, du wirst irre werden und nur noch umherirren.
Willst du eine Frau heiraten, wird ein anderer sich zu ihr legen, hast du ein Haus gebaut, wirst du nicht darin wohnen, hast du einen Weinberg gepflanzt, wirst du ihn nicht ernten. Deine Söhne und Töchter werden zu einem anderen Volk gebracht, und du musst es mit ansehen, aber du bist machtlos und kannst nichts tun.
Und das alles, weil du auf die Gebote deines Gottes nicht gehört hast.
Und endlich wird dich der Ewige unter alle Völker zerstreuen, dann wirst du bei den Völkern leben müssen, und dort wirst du fremden Göttern dienen müssen, Göttern, die du nie gekannt hast. Und dort, bei den Völkern, wirst du dann keine Ruhe mehr finden. Du wirst dich nicht ausruhen können, du wirst ängstlich umherirren, weil du Angst hast vor den Völkern.
Auch wird dich dann der Ewige auf Schiffen wieder nach Ägypten zurückbringen, dorthin also, wovon ich gesagt habe, dass du nie wieder dorthin zurückkehren sollst.
Das alles sagte Mosche: Und das war der Bund, den Mosche auf Befehl des Ewigen hin mit dem Volk Jisrael geschlossen hat.
(29) Dann rief Mosche noch einmal das ganze Volk Jisrael zu sich zusammen und sagte ihnen:
„Ihr habt doch genau gesehen, was der Ewige im Land Ägypten am Pharao und an den Ägyptern gemacht hat. Das waren alles große Zeichen und Wunder. Aber bislang habt ihr noch nicht genug Verstand gehabt, das alles zu verstehen. Ihr habt bislang noch keine Augen gehabt, um zu sehen, keine Ohren gehabt, um zu hören. Deshalb habe ich euch vierzig Jahre lang durch die Wüste geführt. Damit ihr verstehen könnt, dass der Ewige euer Gott ist. Und deshalb sollt ihr nun, da ihr das Land in Besitz nehmt, die Worte des Bundes genau hören und bedenken, damit alles, was ihr tut, euch auch glücken mag.
copyright 2012 Hanna Liss u. Bruno Landthaler
Fortsetzung: Paraschat Nizzavim
Dtn 26,1 - 29,8; Haftara: Jes 60,1-22
| Die Erstlinge | Bitte um Segen | Pflicht der Gebote | Erste Gebote im Land | Die Fluchworte | Segensworte | Fluchworte | Letzte Anweisungen |
| Einleitung |
| Fragen |
| Blog |
In dieser Parascha wird ein der Blick nach vorn gerichtet. Das Buch neigt sich dem Ende zu, und das bedeutet von der erzählerischen Perspektive her, dass das Volk Jisrael kurz davor ist, in das Land einzuziehen. Deshalb dreht sich in dieser Parascha fast alles, was Mosche sagt, um das Land. Es wird vorweggenommen, was die Jisraeliten tun müssen, wenn sie in das Land kommen. Das sind die Anweisungen für die Erstlingsfrüchte, es ist die Anweisung für die Abgaben, es ist die Anweisung für Niederschrift der Tora, der Lehre. Verbunden werden diese Anweisungen aber stets mit Segen und Fluch. Wenn die Anweisungen eingehalten werden, dann soll das Land fruchtbar sein und das Tun der Jisraeliten soll stets glücken, wenn nicht, dann wird das Land keinen Ertrag liefern und alles, was die Jisraeliten unterfangen, wird misslingen. Dies wird in dieser Parascha geradezu eingehämmert. Weshalb?
War das gesamte Buch Devarim darauf ausgerichtet, dass Mosche vor dem Einzug ins Land nocheinmal die ☻gesamte Lehre dem Volk einbleut, so verschärft sich diese Sicht in dieser Parascha. Denn das Leben im versprochenen Land ist sozusagen der Ernstfall für die Lehre. Waren die Jisraeliten bislang mit „Blindheit“ und „Taubheit“ geschlagen, so müssen sie jetzt spätestens, wo sie ins Land einziehen, hellwach sein und alles genau verstehen, was es bedeutet, den Ewigen zum G“tt zu haben und unter dem Gebot G“ttes zu stehen. Denn man könnte meinen, dass das Land der Zielpunkt der langen Reise von Bereschit bis hierher war, dass das Land also dazu einlädt, angekommen sich endlich auszuruhen. Da macht uns diese Parascha aber überdeutlich, dass das Land nicht zum Ruhen da ist, denn das Land selbst ist äußerst fragil und muss beständig durch die Einhaltung von Geboten „erobert“ werden. Das Land ist eben kein Besitzstand, der mir einfach gehört. Vielmehr ist es G“ttes Land, das ich mir stets verdienen muss. Hier spiegelt sich denn auch die leidvolle Erfahrung des jüdischen Volkes, dass das Land in der Tat nur selten in eigenem Besitz stand. Das jüdische Volk musste immer wieder und immer neu den Verlust von Tempel und Land thematisieren.
A) Allgemeine Fragen
Was sollen die Jisraeliten alles tun, wenn sie ins Land gekommen sein werden?
Von welchen Abgaben spricht dieser Text?
Welche Stämme sollen die Flüche aussprechen, welche die Segenssprüche?
B) Fragen für Fortgeschrittene
Gab es in der Tora schon einmal Segensworte?
Wo kommt der Segensspruch Gesegnet bist du, wenn du heimkommst, gesegnet, wenn du hinausgehst in einem jüdischen Haushalt vor?
Wo sollen die ersten Opfer stattfinden?
Im Text sind einige Wörter/Sätze unterstrichen. Wenn man mit der Maus darüber geht, dann macht sich rechts ein Fenster auf mit einem Kommentar.
Manchmal sind das nur erläuternde Sätze, oft aber versuchen wir hier, das wiederzugeben, was Raschi zu der entsprechenden Stelle kommentiert hat. Dadurch bekommt man eine Hilfe an die Hand, in welch unterschiedlicher Weise die Tora interpretiert werden kann.
Wir nehmen deshalb Raschi, weil er für die jüdische Auslegung der Bibel sehr wichtig geworden ist. Raschi hat es verstanden, die vielen Auslegungen, die es zu seiner Zeit in den Midraschim gab, zu bündeln und daraus sozusagen das Wichtigste zu betonen. Raschi hilft heute vor allem darin, uns zu lehren, den Text sehr genau zu lesen und immer wieder Fragen an den Text zu stellen. Für Raschi war der Text nie einfach nur da und schon gar nicht dafür da, ihn einfach "herunterzubeten".
Natürlich konnten wir hier den Raschi-Kommentar nicht vollständig wiedergeben, auch nicht wörtlich. Aber wir wollten wenigstens einen Eindruck verschaffen, in der HOffnung, auch den Bibeltext verständlicher werden zu lassen
Da wir hier noch eine Baustelle haben und wir Woche für Woche uns voranarbeiten, sind natürlich noch nicht alle Stellen kommentiert. Das werdet Ihr aber ganz einfach daran merken, dass im Text nichts mehr unterstrichen ist.