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Junge Tora Paraschat Jitro
18. Schwat 5772 / 11. Februar 2012

copyright 2011 Hanna Liss u. Bruno Landthaler

Jitro und Mosche

(18) Alles, was mit den Kindern Jisraels und mit Mosche passierte, hörte Jitro, der Schwiegervater Mosches. Und wie er davon erfuhr, nahm er seine Tochter Zippora und seine beiden Enkel Gerschom und Elieser und brach aus seiner Heimat Midian auf und reiste zu Mosche und den Kindern Jisraels in die Wüste.

Und Jitro traf mit seiner Familie auf Mosche, als sich die Kinder Jisraels gerade in der Wüste Sinai, am Berg G“ttes, niedergelassen hatten und sich dort ausruhten. Und er schickte voraus und ließ ausrichten: „Ich, dein Schwiegervater, Jitro, komme zu dir. Ich habe auch deine Frau und deine beiden Kinder dabei.“

Als Mosche diese Nachricht hörte, ging er seiner Familie schnell entgegen, warf sich vor Jitro, wie es Brauch war, nieder und küsste ihn. Auch seine Frau und seine Kinder begrüßte er. Danach erkundigten sie sich gegenseitig, wie es ihnen in der Zwischenzeit ergangen sei. Und so erzählte Mosche seinem Schwiegervater alles, was sie in Ägypten und seit ihrem Auszug aus Ägypten erlebt hatten und erklärte ihm, dass dies alles der Ewige für Jisrael getan habe.

Da freute sich Jitro über die guten Taten, die der Ewige seinem Volk zuteil werden ließ und sagte: „Gelobt soll der Ewige sein, der euch aus der Hand des Pharao und aus der Hand der Ägypter gerettet hat! So erkenne ich jetzt, dass der Ewige größer ist, als alle anderen Götter.“

Und nicht nur das. Auch ging Jitro hin, und brachte G“tt verschiedene Opfer als Geschenke dar. Und zusammen mit Aharon und den Ältesten Jisraels bereiteten sie ein großes Mahl und aßen gemeinsam vor G“tt.

Mosche setzt Richter ein

Und obwohl Mosche sich sehr gefreut hatte, dass seine Familie ihn besuchen kam, musste er am andern Tag doch gleich wieder an die Arbeit gehen. Denn die Leute kamen zu ihm und wollten, dass er ihre Streitigkeiten schlichtete und entscheiden sollte, wenn es irgendwo Probleme gab.

Und so war es, wie an vielen anderen Tagen auch, dass Mosche dasaß und viele Leute um ihn herum standen und ihre Anliegen vorbrachten und dass er von morgens bis abends dasaß und Streit schlichtete, entschied, Ratschläge erteilte.

Als sein Schwiegervater Jitro sah, wie Mosche den ganzen Tag vom Volk bedrängt wurde und Mosche kaum mehr zum Atmen kam, da ging er abends zu Mosche und fragte ihn: „Was machst du denn da? Weshalb sitzt du hier mitten im Volk ganz allein und hörst dir die Probleme der Leute an?“

Da schaute Mosche seinen Schwiegervater erstaunt an und antwortete ganz überrascht: „Aber die Leute kommen zu mir, weil sie G“tt befragen wollen. Sie haben Streitereien oder andere Probleme und kommen zu mir, damit ich bei G“tt nachfragen kann, wie die Streitigkeiten im Einzelnen zu regeln sind. Ich verkünde so die Gesetze G“ttes und wie sie zu verstehen sind.“

Jitro schaute Mosche nur groß an und war verwundert: „Das alles kannst du ja machen. Aber so, wie du es jetzt machst, ist es nicht gut. Du sowohl als das Volk kommen ja gar nicht mehr zum Atmen, du reibst dich nur auf! Ich gebe dir einen guten Rat: Du sollst weiterhin dem Volk die Gesetze lehren und ihnen sagen, was sie zu tun haben und wie sie die Gesetze G“ttes zu verstehen haben. Aber geh schnell hin und suche dir aus dem Volk erfahrene Männer, von denen du weißt, dass sie ehrlich sind und nicht den eigenen Vorteil suchen. Die sollst du als Vorsteher über das Volk einsetzen und sie sollen die Streitereien und Probleme, die die Leute vorbringen, anhören und nach den Gesetzen entscheiden. So macht man das, wenn man ein großes Volk anführen will. Du musst auch Aufgaben abgeben können. Wenn du das so machst und G“tt dir das ebenfalls empfiehlt, dann hast du es leichter und das Volk kann in Frieden gehen.“

Und Mosche hörte auf Jitro und machte es, wie Jitro es empfohlen hatte. Mosche wählte sich aus dem Volk tüchtige Männer, die erfahren und ehrlich waren und die auch selbst bemüht waren, die Gesetze G“ttes einzuhalten.

Und nach einiger Zeit wollte Jitro wieder aufbrechen und in seine Heimat wandern. Mosche begleitete ihn und verabschiedete ihn, und Jitro zog davon und reiste in seine Heimat.

Am Sinai

(19) Die Kinder Jisraels waren schon lange unterwegs, schon über zwei Monate waren sie gewandert. Im dritten Monat nach dem Auszug kamen sie in die Wüste Sinai, nachdem sie von Refidim aufgebrochen waren. Dort in der Wüste lagerte sich das Volk und ruhte sich aus. Ihm gegenüber ragte der Berg Sinai hoch auf.

Während das Volk noch immer damit beschäftigt war, das Lager einzurichten, ging Mosche zum Berg und stieg ihn hinauf. Er wusste, dass das der Berg G“ttes war und dass er hier G“tt treffen konnte.

Kaum war Mosche oben, da rief ihm G“tt zu: „Sag dem Haus Jaaqov und verkünde den Kindern Jisraels: Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe. Und euch habe ich beschützt, so wie ein Adler seine Jungen beschützt. Wenn ihr nun bereit seid, auf mich zu hören und zu tun, was ich euch sage, wenn ihr also meinen Bund halten wollt, dann will ich euch als ein ganz besonderes Volk unter den Völkern ansehen. Denn mir gehört die ganze Erde. Aber ihr sollt mir wie ein heiliges Volk sein, wie ein Volk von Priestern, die alle genau darauf achten, wie sie die Gesetze G“ttes einhalten können.“

Nachdem Mosche das gehört hatte, stieg er wieder vom Berg hinunter und ging zu dem Volk. Dort sammelte er die Ältesten um sich herum und sagte ihnen alles, was ihm G“tt zuvor auf dem Berg zu sagen aufgetragen hatte. Und als dem Volk die Worte G“ttes kundgetan wurden, da sagte das Volk wie mit einer Stimme: „Alles, was der Ewige sagt, wollen wir tun.“

Und Mosche ging wieder zum Ewigen, um die Antwort des Volkes G“tt zu überbringen, und der Ewige sagte ihm: „Ich werde in einer dicken Wolke zu dir kommen. Ich will, dass das Volk zuhören und hören kann, was ich dir sage, schon damit sie auch dir Glauben schenken, wenn du ihnen meine Gesetze verkündest.“ Daraufhin berichtete Mosche, dass das Volk bereit sei, alles zu tun, was G“tt sagen würde. Und der Ewige antwortete: „Das ist gut. Ich möchte nun, dass sich das Volk heute und morgen heilig halten und alle Kleider waschen soll. Nach dem dritten Tag sollen sie sich bereithalten. Denn dann werde ich mich vor den Augen des Volkes auf den Berg herablassen. Damit das Volk aber nicht zu nahe tritt, sollst du um den Berg herum eine Grenze ziehen und dem Volk sagen, dass es auf keinen Fall zu nahe treten soll. Wer den Berg auch nur berührt, muss sterben! Erst wenn das Horn geblasen wird, erst dann kann auch das Volk den Berg besteigen, aber vorher auf keinen Fall. Sag ihnen das.“

Mit diesen Worten kam Mosche den Berg herunter und verkündete dem Volk, was er vom Ewigen zu verkünden hatte: Dass sich das Volk heilig halten, von seinen Frauen fernhalten und dass es seine Kleider waschen solle. Und dass sie sich nach drei Tagen bereithalten sollen.

G“tt erscheint

Am *vierten* Tag nun gab es schon am Morgen ein Donnern und ein Blitzen, schwere, schwarze Wolken umhüllten den Berg und ein Lärmen war zu hören: Posaunenschall ertönte und schallte über das Lager hinweg. Als das Volk das sah und hörte, erschrak es und zitterte, denn es wusste nicht, was das zu bedeuten hatte.

Doch Mosche stand auf und führte das Volk zum Berg. Dort stellten sie sich um den Berg herum auf. Aber der Berg selbst war ganz in Rauch gehüllt, so dass niemand auf die Spitze des Berges sehen konnte. Denn der Ewige hatte sich in einer riesigen Feuerflamme auf den Berg niedergelassen. Und aus dem Berg stieg Rauch empor wie aus einem Kalkofen, und der ganze Berg bebte. Dann wurden die Posaunentöne immer lauter, unerträglich laut. Und Mosche redete und G"tt antwortete ihm mit lauter Stimme. Da ließ sich der Ewige auf den Berg herab und der Ewige rief Mosche auf den Berg. Und Mosche stieg hinauf. Dort bekam er die Anweisung, wieder hinunterzugehen und dem Volk einzuschärfen, dass es ja nicht auf den Berg steigen solle, um den Ewigen zu sehen. Denn es könnten viele fallen. Auch sollen sich die Priester heilig halten. Aber Mosche antwortete: „Aber ich habe doch schon vorgesorgt. Das Volk kann nicht hochsteigen. Ich habe doch einen Zaun um den Berg gezogen, wie du selbst gesagt hast.“ Da sagte der Ewige: „Gut. Geh aber trotzdem hinunter zum Volk *und warne sie erneut. Dann nimm Aharon mit dir mit. Die Priester und das Volk sollen aber unten bleiben.“

Und so ging Mosche hinunter zum Volk.

Das Zehnwort

(20) Und dann sprach G“tt all die Worte:

„Ich bin der Ewige, dein G“tt. Ich habe dich – du weißt es – aus Ägypten geführt, geführt aus dem Sklavenhaus. Du sollst deshalb keine anderen Götter vor mir haben. Du sollst dir kein Bild und keine Gestalt machen von dem, was im Himmel oder im Wasser unter der Erde ist. Du sollst dich vor Bildern nicht niederwerfen und ihnen nicht dienen. Denn ich bin der Ewige, dein G“tt, ich bin ein eifernder G“tt, der so etwas nicht duldet. Und ich behalte eure Taten lange im Gedächtnis und vergesse nicht: Die mich hassen und meine Gebote nicht halten, werde ich nicht vergessen, und auch ihre Kinder und Enkel und Urenkel werde ich die Schandtaten der Eltern und Großeltern und Urgroßeltern aufrechnen. Dafür bin ich denen gnädig und wohlgestimmt, die mich lieben und meine Gebote halten, und ich werde diese Taten nicht vergessen und den Kindern und Enkeln und Urenkeln und Ururenkeln bis in die tausendste Generation hinein anrechnen.

Du sollst den Namen des Ewigen nicht sinnlos aussprechen, denn er lässt niemanden ungestraft, der seinen Namen sinnlos ausspricht.

Denk an den Schabbat, ihn zu heiligen. Sechs Tage darfst du deiner Arbeit nachgehen, aber der siebte Tag ist Schabbat für den Ewigen, deinen G“tt. Da sollst du deine Arbeit beendet haben, du, dein Sohn und deine Tochter, dein Diener und deine Dienerin, dein Vieh. Auch der Fremde, der bei dir wohnt, soll nicht arbeiten. Denn der Ewige hat in sechs Tagen den Himmel und die Erde und das Meer und alles, was darin ist, geschaffen. Aber am siebten Tag hat er geruht. Und deshalb hat der Ewige diesen Tag, den Schabbat, gesegnet und ihn geheiligt.

Achte Vater und Mutter. Dann wirst du lange leben auf dem Boden, den der Ewige dir gegeben hat.

Du sollst nicht morden.

Du sollst nicht die Ehe zweier Menschen zerstören.

Du sollst nicht stehlen.

Du sollst nichts Falsches über einen anderen sagen.

Du sollst nicht das Haus wollen, das anderen gehört.

Du sollst nicht die Frau eines anderen wollen. Überhaupt sollst du nichts wollen, was anderen gehört.“

Und das ganze Volk sah das Donnern und Blitzen, hörte die Posaunentöne, sah den rauchenden Berg noch immer. Und noch immer hatte das Volk Angst und zitterte. Da sagten sie zu Mosche: „Es reicht uns, wenn du mit uns redest. Wir wollen nicht, dass G“tt selbst mit uns spricht, sonst müssen wir noch sterben.“

Und so redete Mosche zum Volk: „Es gibt keinen Grund, dass ihr euch fürchtet. Der Ewige möchte nur, dass ihr ihn achtet.“

Und das Volk blieb in einiger Entfernung vom Berg stehen, während Mosche in die dunkle Wolke, die um den Berg lag, hineinging. Da sprach der Ewige zu Mosche: „Das sage den Kinder Jisraels: `Nun habt ihr selbst gesehen, wie ich vom Himmel herab zu euch gesprochen habe. Ihr sollt nichts versuchen nachzumachen, was bei mir im Himmel ist. Macht euch keine Götterchen. Ihr könnt gerne Altäre bauen, da habe ich nichts dagegen, aber macht ihn so, dass er mit der Erde verbunden ist. Dann kannst du deine Tiere neben dem Altar schlachten. Und an den Orten, wo auch ich es möchte, dass du an meinen Namen denkst, dort werde ich zu dir kommen und dich segnen. Und noch etwas zum Altar. Wenn du einen Altar aus Steinen baust , dann möchte ich nicht, dass der aus behauenen Steinen gemacht ist. Denk daran. Auch möchte ich nicht, dass du auf den Altar in Stufen hochsteigst, denn man könnte dir unter den Rock schauen, und das will ich nicht.“

copyright 2011 Hanna Liss u. Bruno Landthaler

Fortsetzung: Paraschat Mischpatim

Devarim
Waetchanan
Eqev
Reeh
Schoftim
Ki Teze
Ki Tavo
Nizavim
Wajelech
Haasinu
Sot ha-Bracha

Paraschat Jithro

Ex 18,1 - 20,26; Haftara: Jes 6,1 - 7,6; 9,5-6

Jithro und Mosche Mosche setzt Richter ein Am Sinai G"tt erscheint Das Zehnwort
Einleitung
Fragen
Raschi
Blog

Einleitung

Nachdem Mosche in der letzten Parascha nur andeutungsweise von der Tora erzählt und „versuchsweise“ vom Schabbatgebot gesprochen hat, werden in dieser Parascha die wichtigsten Gebote aufgezählt, nämlich die Gebote des Zehnwortes (auch die Zehn Gebote genannt). Wenn man das Zehnwort genau betrachtet, lassen sich die einzelnen Ge- und Verbote in zwei Gruppen einteilen: nämlich in solche, die sich unmittelbar auf Gott, und auf solche, die sich auf den Mitmenschen beziehen. Dabei ist klar, dass sich die ersten Gebote auf Gott beziehen: Verbot, andere Götter anzubeten, das Verbot, sich (heilige) Bilder zu machen und das Schabbatgebot. Diese Gruppe wird mit dem Verweis eingeleitet, dass es schließlich auch der Ewige war, der die Jisraeliten aus Ägypten herausgeführt hat. Das bedeutet, dass die Erfahrung der Befreiung von den Ägyptern und der „Selbstwerdung Jisraels“ der Grund für diese Gebote ist bzw. - umgekehrt - die „Selbstwerdung“ durch diese Gebote am Besten zum Ausdruck kommt. Dies entspricht auch der beschriebenen Szenerie: Die Jisraeliten lagern um den Berg herum: alle warten jetzt gespannt, was passiert. Und wie um diese Spannung zu untermauern, verbietet Gott den Jisraeliten, den Berg zu betreten. Mosche zieht gar einen Zaun und schafft dadurch einen „heiligen“ Raum. Dadurch wird die Aufmerksamkeit der Jisraeliten noch mehr auf den Berg - und damit auch auf Gott - gelenkt.

Aber weshalb wird ausgerechnet ein so wichtiger Abschnitt wie das Zehnwort in einer Parascha erzählt, die ausgerechnet den Namen eines Nichtjuden trägt? Und nicht nur das: Unmittelbar vor diesem wichtigen Abschnitt wird der Rat des Jitro erzählt. Ausgerechnet Jitro, ein Nichtjude, gibt Mosche Ratschläge, wie er am besten zu verfahren habe, ausgerechnet Mosche, der ein paar Zeilen weiter das Zehnwort von Gott in Empfang nehmen wird! Man könnte natürlich immer argumentieren, dass das Zufall sei oder mit Raschi: Es gibt kein früher oder später in der Tora, was soviel bedeutet wie: die Reihenfolge der erzählten Ereignisse ist egal. Aber wenn man sich die gestellte Frage zum Problem machen möchte, dann könnte man darin einen schönen Gedanken erkennen: Dass Mosche Richter einsetzt und sich selbst damit an die Spitze einer Hierarchie stellt (es soll eine ganze Reihe von Richterebenen geben!), ist der Ratschlag von Jitro. Das ist also praktisch, modern gesprochen: die Verwaltung soll effizient arbeiten. Mehr ist das nicht! Schon gar nicht eine von Gott gegebene Struktur. Wie wir Menschen unsere Gesellschaft aufbauen, welche Struktur wir ihr geben, hat mit Gott nichts zu tun, das ist eine Frage der Effizienz und kann von jedem Menschen organisiert werden. Anders ist es mit der Grundausrichtung Jisraels: Das, was Jisrael heilig sein soll, kann nur Gott selbst sein, da gibt es kein zweites, kein anderes.

Raschi fragt: Was hört Jitro? Er hört von der Spaltung des Meeres und vom Kampf mit Amaleq.
Raschi sagt (in Anlehnung eines Midrasch), dass Jitro eine große Ehre zuteil wurde. Denn es ging nicht nur Mosche entgegen, sondern auch Aharon, Nadav und Avihu.
Hier hat der Text ein Problem: Denn Mosche war, wie in Paraschat Schemot erzählt wird, mit Zippora und seinen Söhnen schon nach Ägypten gereist. Es wird aber nirgends erzählt, dass sie zu ihrem Vater zurückgekehrt sei. Aber hier ist sie offensichtlich bei ihrem Vater und wird von ihm zu den Jisraeliten erst gebracht. Das bemerkt natürlich auch Raschi, der die Tora sehr gründlich liest. Raschi findet für das Problem einen Midrasch und antwortet mit ihm: Als (nach der Parascha Schemot) Mosche mit Aharon zusammentrifft, fragt Aharon, wer denn die Frau und die Kinder seien. Als Mosche sie ihm vorstellt, berichtet Aharon davon, wie gefährdet die Jisraeliten in Ägypten seien. Da schickte Mosche sie wieder zurück zu ihrem Vater. Da der Midrasch zur mündlichen Tora gehört, ist es für Raschi selbstverständlich, auf den Midrasch zurückzugreifen, wenn der Text der Tora nicht selbst die Lösung eines Problems liefert.

Fragen zur Parascha

A) Einfachere Fragen

Wer war Jitro? Wurde von Jitro schon einmal in der Tora berichtet?

Womit war Mosche beschäftigt, so dass er keine Zeit für seine Familie hatte?

Was rät Jitro dem Mosche, damit er wieder mehr Zeit haben konnte?

Welche Eigenschaften sollten die Vorsteher, die Mosche nun einsetzt, haben?

Wie lange waren die Jisraeliten schon unterwegs, als sie endlich am Berg Sinai ankamen?

Weshalb sollte Mosche eine Grenze um den Berg ziehen?

Was sagt G“tt vom Berg Sinai herab dem Volk? Wie nennt man diesen Begriff auf Hebräisch?

Versuche, alle Zehn Worte aufzusagen!

B) Fragen für Fortgeschrittene

Wieviele Namen von Jitro kennst du bereits?

Wie lange werden die Jisraeliten am Berg Sinai lagern? Anders gefragt: In welchem Buch der Tora werden die Jisraeliten vom Berg Sinai auf-brechen und weiter durch die Wüste ziehen?

Wenn du das Zehnwort genau liest, dann kannst du die zehn einzelnen Ge- und Verbote in zwei Gruppen einteilen. Wie würdest du das Zehnwort untergliedern?

Eigentlich werden die Gebote, einen Altar im Allerheiligsten zu bauen, erst später behandelt. Weshalb wird aber jetzt schon, direkt nach dem Zehnwort, der Altar erwähnt?

copyright 2011 Hanna Liss u. Bruno Landthaler
Weshalb wird im Text eigens erwähnt, dass Jitro zu Mosche in die Wüste ging? Wir wissen doch, dass Mosche und die Jisraeliten in der Wüste sind! Für Raschi muss also der Hinweis auf die Wüste etwas anderes bedeuten, als einfach die Information über den Ort, da in der Tora nichts Unnötiges steht. Deshalb sagt Raschi: Das soll das Lob Jitros aussprechen. Denn Jitro war zuhause mit Pracht und Protz umgeben und geht doch in die Wüste, wo nichts ist, nur um die Worte der Tora zu hören.
Aus diesem Ausdruck schließt Raschi, dass Jitro alle Arten des Götzendienstes kannte und allen selbst gedient hatte.

Raschis Kommentar

Im Text sind einige Wörter/Sätze unterstrichen. Wenn man mit der Maus darüber geht, dann macht sich rechts ein Fenster auf mit einem Kommentar.

Manchmal sind das nur erläuternde Sätze, oft aber versuchen wir hier, das wiederzugeben, was Raschi zu der entsprechenden Stelle kommentiert hat. Dadurch bekommt man eine Hilfe an die Hand, in welch unterschiedlicher Weise die Tora interpretiert werden kann.

Wir nehmen deshalb Raschi, weil er für die jüdische Auslegung der Bibel sehr wichtig geworden ist. Raschi hat es verstanden, die vielen Auslegungen, die es zu seiner Zeit in den Midraschim gab, zu bündeln und daraus sozusagen das Wichtigste zu betonen. Raschi hilft heute vor allem darin, uns zu lehren, den Text sehr genau zu lesen und immer wieder Fragen an den Text zu stellen. Für Raschi war der Text nie einfach nur da und schon gar nicht dafür da, ihn einfach "herunterzubeten".

Natürlich konnten wir hier den Raschi-Kommentar nicht vollständig wiedergeben, auch nicht wörtlich. Aber wir wollten wenigstens einen Eindruck verschaffen, in der HOffnung, auch den Bibeltext verständlicher werden zu lassen

Da wir hier noch eine Baustelle haben und wir Woche für Woche uns voranarbeiten, sind natürlich noch nicht alle Stellen kommentiert. Das werdet Ihr aber ganz einfach daran merken, dass im Text nichts mehr unterstrichen ist.

Für Raschi ist es klar, dass Jitro zum Judentum konvertiert ist. Aus dieser Stelle entnimmt er aber auch, dass Jitro schon früher an den Ewigen geglaubt hat, also zu einer Zeit, da er Mosche noch nicht gekannt hatte.
Dass sich Jitro darüber freut, was der Ewige Jisrael getan hat, ist der "einfache Wortsinn", wie es Raschi nennt. Gemeint ist damit: Das ist die Erklärung ohne den Midrasch, so, wie sich der Text aus sich selbst versteht. Dennoch verweist Raschi auf einen Midrasch, der hier etwas anderes anhängt: Der Midrasch sagt, dass sich Jitro nur äußerlich freute, innerlich war er betrübt, da er sich wegen des Untergangs der Ägypter grämte. Daran hängt sich auch ein Sprichwort auf: Vor einem Konvertierten (einem, der zum Judentum übergetreten ist) sollst du nicht über Nichtjuden geringschätzig reden, und zwar bis in die zehnte Generation.
Raschi versteht an dieser Stelle sogar den Pharao. Der Pharao denkt sich nach Raschi nämlich, dass die Jisraeliten bisher immer den Opferdienst für ihren G"tt verlangt haben. Aber Kinder opfern nicht, sondern nur Männer. Und deshalb ist es aus Sicht des Pharao durchaus normal, wenn er diese Einschränkung macht.
Hier fällt auf, dass Mosche nicht erwähnt wird. Also fragt Raschi, wo denn Mosche war. Schließlich war auch er seinem Schwiegervater entgegen gegangen. Raschi erklärt: Mosche war dabei, aber er bediente sie. Damit ehrte er Jitro nun noch mehr.
Dieser Ausdruck birgt große Schwierigkeiten in sich, die uns Raschi sehr genau darlegt. Denn Raschi weist darauf hin, dass "der andere Tag" nicht einfach der darauffolgende Tag sein kann, da Mosche ja die Gesetzestafeln noch gar nicht erhalten hat. Deshalb konnte er auch noch nicht dasitzen und die Gesetze G"ttes darlegen, wie es aber in der Jitro-Geschichte heißt. Für Raschi kommt nur in Frage, dass "der andere Tag" bedeutet: der Tag nach Jom Kippur. Warum? Vor der Gesetzgebung konnte er noch nicht die Gesetze erklären, zwischen der Gesetzgebung und Jom Kippur saß er ebenfalls nicht und erklärte die Gesetze. Denn dazwischen ist die Zeit, als er vom Berg steigt, die Tafeln zerbricht und wieder auf den Berg steigt, um dort 80 Tage oben zu verbleiben. Mosche kommt erst an Jom Kippur wieder herunter. Und deshalb kann es nur bedeuten: der Tag nach Jom Kippur.

Wie kann Raschi solche Operationen am Text vollziehen? Es steht die Vorstellung dahinter, dass der Text, so wie er uns überliefert ist, nicht notwendig die genaue Abfolge der Ereignisse spiegelt. In der rabbinischen Literatur gibt es dafür den Ausdruck: "Kein Früher und kein Später". Deshalb kann Raschi sagen, dass Jitro nicht, wie diese Parascha vermuten lassen würde, vor der Gesetzgebung wieder zurück ist in seine Heimat, sondern erst lange danach im zweiten Jahr (vgl. Num 10,29).

Raschi erklärt hier mithilfe eines Midrasch. Jitro gefiel es nicht, dass Mosche wie ein König saß und alle anderen vor ihm standen. Denn das schmälerte die Ehre Jisraels. Deshalb kritisiert er ihn später.

Diese Art Erklärung von Raschi möchte weniger ein Problem des Textes lösen, als vielmehr an einem Ausdruck eine weisheitliche Einsicht anhängen.

Hier steht hebräisch: "gam atta". Dies legt Raschi gemäß einer traditionellen Auslegungsregel so aus, dass mit dem "auch" noch ein Weiteres eingeschlossen ist. Nach Raschi sind nämlich auch Aharon, Chur und die 70 Ältesten mitgemeint, die sich aufreiben.
Für Raschi sind es reiche Männer, die es nicht nötig haben, auf den eigenen Vorteil zu achten, und zuverlässige, auf deren Wort man sich verlassen kann.
Noch einmal: Für Raschi findet die Rückkehr Jitros in seine Heimat nicht zu diesem erzählten Zeitpunkt (also vor der Gesetzgebung) statt, sondern erst im zweiten Jahr, vgl. Num 10,29. Nach Raschi geht Jitro in seine Heimat, um seine Familie zum Judentum zu konvertieren.
Diese Übersetzung ist sehr verkürzend. Der hebräische Text spricht von einer ganzen Hierarchie von Richtern: Ein Richter über Tausend, über Hundert, über Fünfzig, über Zehn. Es wird hier also ein ganzer "Verwaltungsapparat" eingesetzt.
Für Raschi stellt sich hier wieder die Frage, weshalb der Text eine doppelte Aussage macht: Haus Jaaqov - Kinder Jisraels. Raschi häng hier eine alte Tradition als Erklärung an: Mit dem Haus Jaaqov sind die Frauen gemeint; mit ihnen soll Mosche sanft sprechen. Die Kinder Jisraels sind die Männer, ihnen soll er auch die Strafen und die genauen Bestimmungen kundtun.
Nach Raschi am andern Tag in der Frühe.

Für Raschi ist es wichtig die textinterne Chronologie einzuhalten und diese mit den traditionellen Daten, die an diese Geschichte geknüpft sind, in Einklang zu bringen. Deshalb macht Raschi immer wieder Bemerkungen zur Chronologie.

Raschi fällt auf, dass es hier heißt: das Volk lagerte sich, also Singular. Normalerweise heißt es beim Lagern: "sie lagerten sich", Plural. Raschi will an diese Feststellung anknüpfen, dass hier das Volk einmütigt war und eines Sinnes, während sie sonst murrten und maulten.
Raschi sagt: Es ist keine Tradition, die das überliefert, es sind auch keine Zeugen, die davon berichten. Vielmehr habt ihr es selbst gesehen
Raschi: Ein Adler trägt, anders als andere Vögel, seine Jungen auf den Flügeln. Denn die kleineren Vögel haben Angst vor dem Adler, der über ihnen fliegt, deshalb nehmen sie ihre Jungen zwischen die Krallen. Aber ein Adler hat nur Angst vor dem Menschen, der ihn mit Pfeilen abschießen könnte, deshalb nimmt er ihn nach oben. So stellte sich auch die Wolkensäule zwischen die Jisraeliten und Ägypter, damit die Pfeile die Jisraeliten nicht treffen konnten.
Raschi: Sagt aber nicht, dass ihr die einzigen seid, die mir gehören. Schließlich gehört mir die ganze Erde. Aber alle anderen gelten in meinen Augen nichts.

Bezieht sich der Text der Tora noch ganz auf das Verhältnis zwischen G"tt und Jisrael, so geht hier Raschi deutlich darüber hinaus, indem er auch eine Aussage über die Nichtjuden (seiner Zeit) macht: Sie gelten in den Augen G"ttes nichts. Dies scheint hier eine deutliche antichristliche Pointe zu sein, wie dies bei Raschi immer wieder zu finden ist.

Wieder bemüht sich Raschi um die Chronologie und erklärt, dass es am nächsten Tag sein musste.
Wieder steht hier ein "auch", aus dem Raschi den Hinweis erhält, dass das Volk nicht nur an Mosche glauben soll, sondern auch an die späteren Propheten.
Diesen Ausdruck versteht Raschi wörtlich. Er bedeutet nach Raschi nämlich, dass sich kein Blinder unter den Jisraeliten befand, da alle Blinde vorher geheilt worden seien.
Heilige Orte gibt es in der Tora (und in der Bibel insgesamt) immer wieder. Der wichtigste heilige Ort wird wenig später das Zeltheiligtum sein, später auch der Tempel. Ähnlich ist auch der Dornbusch ein heiliger Ort, an dem Mosche seine Schuhe ausziehen muss (Par. Schemot).

Was ist ein "heiliger Ort"? Es ist ein Ort, an dem sich die Präsenz G"ttes festmacht und deshalb vom Profanen, Nichtheiligen gesondert sein muss. Deshalb ist der Zutritt zum heiligen Ort auch stark reglementiert, dh. nur noch ganz wenige dafür eigens bestimmte Personen dürfen diesen Ort betreten, so wie hier Mosche den Berg, oder später die Kohanim das Heiligtum oder der Kohen Gadol das Allerheiligste.

Raschi erklärt: Am Ende von drei Tagen, also am vierten Tag, denn Mosche fügte von sich aus noch einen Tag hinzu. Das erklärt Raschi aufgrund einer Überlieferung im Talmud. Das Problem war nämlich: An welchem Tag wurde das Zehnwort gegeben? Am siebten oder am sechsten des dritten Monats? Darüber gab es unter den Rabbanan einen Disput.
Raschi fragt, weshalb hier "Kalkofen" steht, und erklärt: Der Text bringt hier einen Vergleich, um die besondere Erscheinung, die hier beschrieben wird, verständlich zu machen. Das wird in der Bibel öfter gemacht: G"tt wird mit Dingen verglichen, obwohl er unvergleichlich ist, aber notwendig, um es so zu beschreiben, wie wir Menschen es überhaupt verstehen können.
Raschi sieht (mit einem Midrasch) hier ein Problem des Textes. Denn hier heißt es: "er lässt sich auf den Berg herab", weiter unten heißt es (am Ende dieser Parascha): "Ihr habt gesehen, wie ich vom Himmel her mit euch geredet habe." Raschi erklärt es so: G"tt hat die oberen und unteren Himmel herabgezogen und sie über den Berg Sinai wie eine Decke ausgebreitet.
Raschi: Es könnte sein, dass sich viele nach dem Ewigen sehnen und deshalb die Umzäunung durchbrechen, um den Berg hochzusteigen und den Ewigen zu sehen. Wer einreißt, der zerstört das Gebaute, wer sich also von seiner Position als Mensch entfernt und seine eigenen Grenzen durchbricht, der zerstört sein Menschsein. Raschi hat dies zwar mit anderen Worten gesagt, aber er drückt hier eine wichtige Grundüberzeugung des Judentums aus: Auch wenn das Volk Jisrael ein "Volk von Priestern", ein "heiliges Volk" sein soll, so kann es seinen Standort nicht wechseln, es wechselt nicht von der menschlichen zur göttlichen Seite. Das Volk Jisrael bleibt auf der menschlichen Seite, und jeder, der hier etwas ändern will, weil er zu G"tt in Liebe entbrennt, der zerstört nur und baut nicht auf.
Selbst die Kohanim, die einen Vorzug anderen gegenüber haben, dürfen nicht hochsteigen auf den Berg, so erklärt Raschi.
Raschi: Man hätte meinen können: auch die Kohanim. Aber um das auszuschließen sagt der Text: "du, und mit dir Aharon." Das bedeutet nämlich: Jeder hat seine eigene Grenze: Mosche darf am weitesten nach oben, weiter unten bleibt Aharon, noch weiter unten bleiben die Kohanim. Nur das Volk darf seine eigene Position überhaupt nicht verändern und muss am Zaun verharren.
Raschi fragt, weshalb es hier G"tt heißt und nicht "Ewiger". Um klarzumachen, dass die Ge- und Verbote des Zehnwortes auch bei Nichtachtung Strafe nach sich ziehen und bei Beachtung Lohn. Denn G"tt ist der G"ttesname, der dann verwendet wird, wenn G"tt als Richter verstanden werden soll.
Dass G"tt die Jisraeliten aus Ägypten geführt hat, genügt eigentlich schon, dass sie G"tt anerkennen. Raschi meint damit, dass G"tt in seiner Rede hätte auch darauf hinweisen können, dass Er schließlich der sei, der Himmel und Erde erschaffen habe.
Raschi weist darauf hin, dass der Ausdruck "andere Götter" natürlich nicht meint, dass die anderen Götter wie G"tt wären. Andere Götter sind nur deshalb Götter, weil andere Menschen sie zu Göttern gemacht und erklärt haben.
Raschi bemerkt hierzu: Es heißt "haben", um auszuschließen, dass jemand zwar keine Götter gemacht hat aber sie dennoch besitzt. Und es heißt "vor mir", damit dieses Verbot auch für alle Zeiten gilt.
Was heißt "eifernder G"tt"? Raschi erklärt, dass es meint, dass G"tt auf die Strafe ausgerichtet ist, weil er das Vergehen des Götzendienstes nicht verzeihen möchte.
Hier erhebt sich die Frage, was hebräisch "schaw" bedeutet. Raschi schränkt dieses Verbot ein. Da "schaw" zweimal erwähnt wird, sind es für Raschi auch nur zwei konkrete Fälle: Ein falscher Schwur und ein zweckloser Schwur. Ein falscher Schwur wäre, wenn jemand damit eine feste Sache ändern möchte, z.B. eine Steinsäule soll eine goldene Säule sein. Ein zweckloser Schwur ist, wenn damit nichts gesagt würde, z.B. dass eine Holzsäule eine Holzsäule sein soll.

Damit versteht Raschi das Verbot des sinnlosen Aussprechens des G"ttesnamens viel enger als wir es üblicherweise gewohnt sind. Aber für Raschi zählt in diesem Fall, da es sich um ein Verbot handelt, dass es eine rechtliche Dimension haben muss und nicht eine allgemeine Weisheit.

Es gibt eine zweite Stelle, an der das Zehnwort aufgelistet wird (Dtn 5,12). Dort heißt es: "Hüte den Schabbat". Raschi erklärt: Beides ist in einem Wort gesagt worden. "Gedenke" ist dabei das Gebot und "hüte" ist das Verbot. Raschi weist mit mehreren Stellen darauf hin, dass es in der Tora einige solcher Widersprüche gibt. Die lassen sich aber verstehen, wenn man davon ausgeht, dass G"tt stets beides als eines gesagt hat, während wir aus dem Gesagten ein Zweifaches entnehmen.

Ein Weiteres zu "denk". Nach Raschi ist das ein Infinitiv. Das soll uns lehren, dass wir allezeit und bei jeder Gelegenheit an den Schabbat denken sollen. Auch sehr praktisch verstanden: Sehen wir einen schönen Gegenstand, dann sollen wir ihn für den Schabbat bewahren.

Raschi erklärt hier, dass man seine Arbeit so betrachten soll, als wäre sie vollendet, damit man nicht über Schabbat darüber nachdenkt. Es ist also kein explizites Gebot, alle Arbeit vor Schabbat zu beenden, was man aus dem Text hätte durchaus lesen können.
Raschi: dein Sohn, deine Tochter, das sind die Kleinen. Denn die Großen (erwachsenen) Kinder sind für sich selbst verantwortlich. Aber die Eltern müssen auch darauf achten, dass die Kleinen die Schabbatgebote einhalten. Deshalb darf man (bei Feuer) nicht die Kinder zum Löschen schicken.
Dies versteht Raschi sehr konkret: Der Ewige hat den Schabbat gesegnet, indem er vor Schabbat die doppelte Menge Man brachte. Er hat ihn geheiligt, indem er am Schabbat das Man nicht brachte.
Raschi meint, dass hier - anders als in Lev 19,11 - nur Kidnapping gemeint ist. Diese Ansicht erhält er dadurch, dass er die umliegenden Verbote betrachtet und sieht, dass sie - Mord, Ehebruch - mit dem Tod bestraft werden. Also muss es auch hier gelten. Aber mit dem Tod wird nur Menschenraub, nicht normaler Diebstahl bestraft.
Daraus kann man nach Raschi schließen, dass es keine Blinde bei den Jisraeliten gab. Woher weiß ich aber, dass auch keiner stumm war? Deshalb steht (Ex 19,8): das ganze Volk antwortete. Woher weiß ich aber, dass keiner taub war? Deshalb steht (Ex 24,7): Wir wollen tun und hören.

Das Volk "sah" das Hörbare. Raschi verweist auf diese sonderbare Formulierung und erklärt sie sich so, dass dies die Ausnahmesituation zum Ausdruck bringt. Denn Hörbares kann man sonst nicht sehen.

Raschi: Es gibt einen Unterschied, ob ein Mensch eine Sache selbst sieht, oder nur von ihr hört von jemandem anderen. Denn hier kann er an der Sache zweifeln, was er selbst sieht dagegen ist gewiss.
Dieses "euch" ist eigentlich überflüssig. Also muss damit ein weiteres gemeint sein, was nicht unmittelbar im Text steht. Raschi erklärt: Du sollst nicht auf die Idee kommen, dir Cherubim für die Synagogen und die Lehrhäuser zu machen, so wie Cherubim für den Tempel gemacht worden sind.
Nach Raschi darf der Altar also nicht auf Säulen stehen oder auf einem Gestell. Man kann den Ausdruck aber auch so verstehen, sagt Raschi, dass der Hohlraum des Altars mit Erde gefüllt wird. Raschi bezieht die Beschreibung dieses Altars auf den kupfernen Altar, wie er später im Buch Schemot beschrieben wird.
Obwohl das Hebräische nicht eindeutig "neben dem Altar" schreibt, interpretiert Raschi es aber so, da er den Vers Dtn 12,27 zu Rate zieht, wo es heißt: Das Fleisch und das Blut auf dem Altar. Daraus folgert Raschi, dass, wenn das Fleisch auf dem Altar liegt, nicht die Schlachtung gemeint sein kann.
Raschi: Dort, wo ich die Schechina wohnen lasse, da darfst du den Namen aussprechen. Daraus lernen wir, dass wir nur dort den Namen aussprechen durften, wo die Schechina wohnen kann, das ist der Tempel.

Und im Umkehrschluss folgt daraus, dass wir deshalb auch den Namen G"ttes nicht mehr aussprechen.

Raschi: Das ist kein konditionales "wenn" (im Sinne von: falls du einen Altar baust). Denn es ist eine Mizwa, einen Altar zu bauen. Darum ist es temporal zu verstehen: sobald du einen Altar baust.
Im Hebräischen heißt es stärker: damit deine Scham nicht entblößt wird. Raschi weist allerdings darauf hin, dass auch die Kohanim Beinkleider aus Leinen trugen, weshalb es keine Entblößung der Scham ist. Deshalb sagt Raschi: Das weite Ausschreiten mit den Beinen ist wie das Entblößen der Scham.