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Paraschat Beschalach
11. Schwat 5772 / 4. Februar 2012

copyright 2012 Hanna Liss u. Bruno Landthaler

Der Aufbruch

(13,17) Als Pharao nun endlich das Volk ziehen ließ, da führte sie G"tt nicht auf dem direktesten Weg in das Land Kenaan. Denn G"tt dachte sich, dass im Land der Philister, wohin der direkte Weg geführt hätte, ein Krieg hätte ausbrechen können und dass dann das Volk es bereuen könnte, überhaupt aus Ägypten aufgebrochen zu sein. Deshalb ließ G"tt das Volk einen Umweg machen, nämlich zunächst Richtung Wüste und von dort zum Schilfmeer hin.

Als das Volk aufgebrochen war, war es auch bewaffnet. Und Mosche vergaß auch nicht, die Gebeine Josefs mitzunehmen. Denn es wurde doch überliefert, dass Josef die Kinder Jisraels eindringlich darum gebeten hatte, dass die Kinder Jisraels beim Auszug aus Ägypten nicht vergessen sollten, seine Gebeine mitzunehmen.

Und so brachen sie also auf. Von Sukkot, wo sie sich das erste Mal gelagert hatten, brachen sie auf und wanderten bis nach Etham, das am Rand der Wüste lag. Aber das Volk war nicht allein. Denn der Ewige selbst zog vor ihnen her und zeigte ihnen den Weg; am Tag stand stets eine Wolkensäule vor ihnen und nachts leuchtete ihnen eine große Feuersäule. Die Wolkensäule am Tag und die Feuersäule in der Nacht wichen vom Volk niemals. Und so wurden sie sicher durch die Wüste geführt.

Die Wanderung bis zum Schilfmeer

(14) Aber der Ewige gab Mosche noch weitere Anweisungen zur Wanderung des Volkes. Das Volk sollte sich in der Nähe des Meeres lagern und abwarten, was passiert. Dann würde der Pharao denken, dass die Jisraeliten in der Wüste eingeschlossen wären und sich verirrt hätten. Und dann würde er, der Ewige, es so einrichten, dass der Pharao weiterhin hartherzig blieb und sie deshalb verfolgte. „Denn,“ so sagte der Ewige zu Mosche, „ich will mich durch* Pharao verherrlichen, und alle Ägypter sollen erkennen, dass ich der Ewige bin.“

Und sie machten es genau so, wie es ihnen Mosche vom Ewigen her befohlen hatte. Und als man dem Pharao berichtete, dass das Volk nun geflohen sei *und nicht zurückkehren würde*, da änderte der Pharao plötzlich seinen Sinn und sagte: „Was haben wir da getan. Wir haben sie laufen lassen *mit all unseren Sachen, die wir ihnen gegeben haben*, und nun haben wir keine Sklaven mehr!“ Und schnell *spannte er* die Pferde an den Streitwagen und machte sich mit seinen Leuten auf. Er nahm 600 Streitwagen mit sich und auch alle Wagenkämpfer, die ihm zur Verfügung standen. Und so machte es der Ewige, dass Pharao wieder hartherzig wurde und das Volk verfolgte.

Und die Ägypter verfolgten mit Pferden, Wagen und Reitern das Volk und pirschten hinter ihnen her, bis sie es erreichten, während das Volk am Ufer des Meeres lagerte.

Als nun die Kinder Jisraels sahen, wie der Pharao mit Reitern und Wagen nahe kam, da bekamen sie Angst und schrieen zum Ewigen. Und schnell liefen sie zu Mosche und klagten ihm: „In Ägypten gab es wohl nicht genug Gräber, weshalb du uns hier hinausführen musstest in die Wüste, um zu sterben? Was hast du dir eigentlich dabei gedacht, als du uns dazu überredet hast, aus Ägypten zu fliehen? Haben wir dir nicht schon in Ägypten gesagt, dass wir nicht in die Wüste wollen, sondern in Ägypten bleiben und den Ägyptern dienen. Dass es immer noch besser ist, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben?“

Aber Mosche versicherte ihnen: „Nicht doch! Habt keine Angst. Wenn ihr aushaltet, werdet ihr sehen, wie uns der Ewige hilft. Ich sage euch: Der Ewige wird für euch streiten, aber jetzt sollt ihr schweigen!“

Wie der Ewige *Mosche beten* hörte, sagte er ihm: „*Jetzt ist nicht die Zeit zu beten*! Sag den Kindern Jisraels, dass sie nun aufbrechen sollen und weiterziehen. Du aber, nimm deinen Stab, heb ihn hoch, streck deine Hand über das Meer und teile das Meer, dann können die Kinder Jisraels mitten durch das Meer wandern, ohne nass zu werden. Aber an mir ist es, den Pharao hartherzig werden zu lassen, damit er hinter euch her geht und euch verfolgt. Denn so will ich mich durch den Pharao verherrlichen, an ihm und an allen seinen Leuten. Die Ägypter sollen erkennen, dass ich der Ewige bin.

Durchs Schilfmeer

Da brach der Engel G"ttes, der stets den Jisraeliten vorangezogen war und den Weg gezeigt hatte, auf und stellte sich hinter ihnen auf, also zwischen die Jisraeliten und die Ägypter, *um die Jisraeliten vor den Pfeilen der Ägypter zu schützen*. Ebenso erhob sich die Wolkensäule, die vor ihnen herging, und brach auf und stellte sich ebenfalls hinter sie und stellte sich so zwischen das Lager der Jisraeliten und das Lager der Ägypter. Und so geschah es, dass zwischen den beiden Lagern ein starker Nebel war, der nichts zu erkennen gab, und dass zu den Ägyptern hin Finsternis herrschte, so dass sie nichts sehen konnten, und zu den Jisraeliten hin alles aufleuchtete und alles hell war. Und auf diese Weise kamen die Ägypter mit den Reitern und den Streitwagen den Jisraeliten nicht näher. Denn dazwischen war die Wolke und machte alles dunkel, dass nichts zu sehen war.

Als die Jisraeliten nun vor dem Schilfmeer standen, da streckte Mosche seine Hand über das Meer aus. Und der Ewige machte, dass ein starker Ostwind aufkam, der die ganze Nacht hindurch wehte und das Wasser auseinander trieb. Der Meeresboden trocknete durch das dauernde Blasen des Windes, und das Wasser teilte sich in der Mitte. Und so konnten die Kinder Jisraels auf dem trockenen Meeresboden durch das Meer gehen, ohne nass zu werden. Das Wasser stand wie eine Mauer links und rechts hochaufragend neben ihnen.

Aber kaum waren die Jisraeliten trockenen Fußes in das Meer gegangen, da verfolgten sie sofort die Ägypter und kamen ihnen hinterher. Alle Reiter, alle Wagen des Pharaos zogen mitten in das Meer hinein.

Am Morgen sah der Ewige auf die Ägypter. Es stand die Feuer- und Wolkensäule mächtig da, und das verwirrte die Ägypter. Auch machte es der Ewige, dass sich die Räder plötzlich von den Wagen lösten. Und so kamen sie nur noch sehr langsam voran und sie hatten harte Arbeit. Allmählich merkte der Pharao, dass die Jisraeliten nicht mehr einzuholen waren und sagte: „Ich will vor Jisrael flüchten, denn der Ewige, er kämpft an ihrer Seite gegen uns. Und da sind wir machtlos.“

Aber kaum hatte der Pharao das gesagt, da sagte der Ewige zu Mosche (Mosche und die Jisraeliten waren mittlerweile durch das Meer durchgewandert und am anderen Ufer angekommen.): „Streck erneut deine Hand über das Meer. Dann werden die Wasser, die wie eine Mauer links und rechts stehen, zusammenstürzen und die Ägypter, ihre Pferde, ihre Wagen und ihre Männer überschwemmen.“

Und so machte es Mosche. Er streckte seine Hand über das Meer aus, und mit einem Mal flutete das Meer zurück. Da wollten die Ägypter noch einmal fliehen, es war aber zu spät, der Ewige stürzte die Ägypter mitten in das Meer. Die Wassermassen fluteten zurück und überschwemmten die Kriegswagen und die Pferde und die Reiter des Pharaos. Nicht ein Reiter, nicht ein Pferd blieb von ihnen übrig oder konnte sich retten, während die Kinder Jisraels trockenen Fußes auf trockenem Meeresboden das Meer hatten durchqueren können.

Und so rettete an diesem Tag der Ewige Jisrael aus der Hand der Ägypter. Und Jisrael sah, *da die Leichen ans Land gespült wurden*, wie die Ägypter in dem Meer umgekommen waren, und sie sahen die große Macht, die der Ewige an den Ägyptern geübt hatte. Da fürchtete das Volk den Ewigen und vertraute auf den Ewigen und auf dessen Diener Mosche.

Siegeslieder

(15) Als die Kinder Jisraels durch die Hand des Ewigen gerettet waren, da stimmte Mosche vor lauter Freude ein Lied an, und die Kinder Jisraels sangen mit:

Ich singe dem Ewigen, er ist hoch und erhaben.
Und Ross und Reiter warf er ins Meer.
Und G"tt ist meine Kraft, mein Gesang und meine Hilfe.
Er ist meine Macht, ihn will ich loben.
Der G"tt meines Vaters will ich erheben.
Der Ewige ist ein Kriegsmann, sein Name ist der Ewige.
Schaut: Pharaos Wagen, sein Heer – er warf sie ins Meer.
Seine Kämpfer versenkte er im Schilfmeer.
Die Fluten bedeckten sie, wie Steine sanken sie dahin.
Deine Rechte, o G"tt, so herrlich an Kraft,
deine Rechte, o G"tt, zerschlägt den Feind.
Du rissest sie nieder,
Du sandtest den Zorn,
Der fraß sie auf wie Stoppeln.
Es war dein Hauch, der die Wasser zerstob,
die Wasser standen wie Mauern da,
sie erstarrten mitten im Meer.
Da sagte der Feind:
Ich jage nach,
Ich hole ein,
Ich erbeute sie,
an ihnen kühl ich meinen Mut.
Ich zieh mein Schwert,
Ich tilg sie aus.
Aber ein Hauch von dir deckt sie zu,
Sie sanken nieder wie Blei in tosendem Wasser.
Wer ist dir gleich unter den Mächtigen,
Wer ist dir gleich an Heiligkeit,
Erhaben im Ruhm und in Wunderwerken?
Deine Rechte senkte sich,
Und schon verschlang sie der Boden.
Du führst dein Volk, das du gerettet hast.
Das hören die Völker rundum
Und sie beben und zittern.
Furchtsam erstarren sie vor Schrecken,
verstummen vor deinem gewaltigen Arm.
Und du bringst dein Volk auf deinen Berg,
bringst es hin zum Heiligtum.
Der Ewige wird regieren für immer und ewig.

Als die Pferde des Pharao mit seinen Reitern und Wagen ins Meer hineingeritten waren, da ließ also der Ewige das Wasser wieder zurückfluten, während die Kinder Jisraels trockenen Fußes durchs Meer gegangen waren. Und wie Mosche stimmte auch die Prophetin Mirjam, die Schwester Mosches und Aharons, ein Lied an und griff nach einer Pauke. Alle Frauen zogen hinter ihr her und tanzten. Mirjam sang:

O singt dem Ewigen, singt,
er ist hoch und erhaben,
Ross und Reiter stürzte er ins Meer.

Die Kinder Jisraels murren

Nun waren die Jisraeliten also durch das Meer durchgewandert und hatten sich erst einmal gelagert um auszuruhen.

Dann forderte Mosche die Jisraeliten auf, alles zusammenzupacken und aufzubrechen. Und murrend* machten die Jisraeliten das auch. Sie wanderten weiter in die Wüste Schur. Dort wanderten sie drei Tage lang und waren schon ganz ermattet, denn sie fanden nirgendwo Wasser. Endlich kamen sie an die Wasserstelle, die Mara hieß, doch als sie das Wasser kosteten, war das Wasser ganz bitter und ungenießbar, weshalb die Stelle auch Mara (bitter) hieß.

Das war dem Volk zuviel. Sie begannen zu murren und gingen zu Mosche, um zu klagen: „Nun, Mosche, was sollen wir jetzt trinken? Unsere Vorräte sind aufgebraucht und dieses Wasser hier ist ungenießbar.“ Da wusste Mosche auch keinen Rat. Er wandte sich vom Volk ab und schrie zum Ewigen, denn auch Mosche war verzweifelt. Aber der Ewige zeigte Mosche nur ein Stück Holz und bedeutete ihm, dass er dieses Holz in das Wasser werfen müsse. Und das tat Mosche denn auch, er warf das Holz in das bittere Wasser. Kaum schwamm das Holz im Wasser, schmeckte das Wasser auch schon nicht mehr bitter, sondern süß, so dass man es endlich genießen konnte.

Als das geschehen war und alle Jisraeliten sich ihren Durst stillen konnten, da dachte Mosche, dass es Zeit wäre, den Jisraeliten einiges von der Tora des Ewigen zu erzählen, und wie wichtig es sei, sich an die Gebote des Ewigen zu halten. Deshalb sprach er zu den Jisraeliten: „Wenn ihr auf diese Worte hört und wenn ihr dann auch das tut, was der Ewige von euch erwartet, dann wirst du all das, was die Ägypter an Plagen vom Ewigen erhalten haben, nicht erleben müssen. Ich werde euch nicht die Krankheiten schicken, vielmehr werde ich dann wie euer Arzt sein.“

Nachdem Mosche nun das erste Mal von der Tora des Ewigen gesprochen hatte, zogen die Jisraeliten weiter bis nach Elim, wo sie auf zwölf Wasserquellen stießen, an denen sie ihren Durst löschen konnten, und wo siebzig Palmen standen, in deren Schatten sie sich ausruhen konnten.

Das Man und die Wachteln

(16) Später brachen sie wieder auf und zogen weiter. Am fünfzehnten Tag des zweiten Monats ihrer Wanderung kamen sie in die Wüste Sin, die noch vor dem Sinai lag. Und es geschah wieder einmal, da waren die Jisraeliten völlig erschöpft und hoffnungslos, *auch weil das Brot, das sie aus Ägypten mitgebracht hatten, zu Ende ging*. Sie begannen wieder zu murren und gingen zu Mosche und Aharon:

„Ach, wären wir doch lieber im Land Ägypten gestorben. In Ägypten saßen wir wenigstens vor vollen Fleischtöpfen und hatten Brot in Hülle und Fülle und wir konnten essen, wie wir Lust hatten. Aber statt dessen habt ihr uns in diese erbarmungslose Wüste geschickt, wo es manchmal nichts zu trinken gibt, und manchmal, wie jetzt, nichts zu essen.“

Und wieder wandte sich Mosche an den Ewigen. Der sagte zu Mosche: „Es soll euch an nichts mangeln. Ich werde Brot, ja Brot vom Himmel regnen lassen, so dass ihr jeden Tag davon soviel aufsammeln könnt, wie ihr für den Tag nötig habt. Und am sechsten Tag der Woche wird das, was ihr aufgesammelt habt, sich verdoppelt haben.“

Und so gingen Mosche und Aharon zu den Jisraeliten hin und sagten ihnen: „Es gibt keinen Grund zu murren. Am Abend werdet ihr sehen können, dass euch der Ewige aus Ägypten gebracht hat *und nicht wir*. Und am Morgen werdet ihr die Herrlichkeit des Ewigen sehen. Der Ewige hat euer Murren gehört, das ja nicht uns gilt, sondern dem Ewigen. Gegen den Ewigen habt ihr gemurrt und gemault. Und trotzdem wird er euch am Abend Fleisch zu essen geben und am Morgen Brot.“

Und weiter sagte Mosche zu Aharon: „Deshalb sag der ganzen Gemeinde Jisraels: Ihr sollt vor den Ewigen selbst hintreten. Er hat euer Murren und Maulen gehört.“

Und wie Aharon das der Gemeinde Jisraels sagte, da geschah es, dass die Herrlichkeit des Ewigen in einer Wolke aufleuchtete. Und aus der Wolke heraus sagte der Ewige zu Mosche: „Ich habe euer Murren gehört. Sag also den Kindern Jisraels, dass sie abends Fleisch zu essen bekommen werden und morgens Brot. Daran können sie sich satt essen. Ich hoffe nur, dass es euch genügt, damit ihr seht, wie mächtig ich bin.“

Und so wie der Ewige es sagte, so geschah es. Es wurde Abend, da erblickten sie plötzlich einen riesigen Schwarm von Wachteln, der sich bei ihnen in der Nähe niederließ. Da konnten sie genügend viele Vögel fangen, und hatten so genug zu essen für den ganzen Abend. Als sie dann morgens aufstanden, sahen sie, wie sich über Nacht Tau über den Sand gelegt hatte. Aber als es wärmer wurde und der Tau verdunstete, da blieb die Oberfläche der Wüste wie mit etwas Körnigem übersät, das aussah wie Reif. Und die Kinder Jisraels gingen hin und untersuchten es, denn sie wussten nicht, was es war.

Da sagte Mosche zu ihnen: „Das ist Man, etwas wie Mehl, *aus dem ihr Speisen zubereiten könnt*. Das hat euch der Ewige gebracht, damit ihr genügend zu essen habt und ihr nicht hungern müsst. Aber der Ewige sagt euch folgendes dazu, auf das ihr achten müsst: Jeder soll davon nur einen Eimer voll aufsammeln, für jede Person einen Eimer.“ Und so machten sie es. Jeder sammelte so viel auf, wie er zum Essen brauchte.

Dann sagte Mosche: „Außerdem sollt ihr nicht horten. Sammelt nur so viel auf, wie ihr für diesen Tag braucht. Lasst nichts davon über Nacht übrig. Das hörten die Kinder Jisraels aber schon nicht mehr. Denn sie sammelten so viel, dass es auch noch für den anderen Tag reichen sollte. Als aber der nächste Tag anbrach, da *roch das Brot, das sie über Nacht übriggelassen hatten, übel und war voller Würmer* und nicht mehr zu genießen.

Darüber wurde Mosche natürlich sehr zornig, denn er hatte es ihnen doch eigens gesagt, dass sie nichts über Nacht übriglassen sollten. Das ärgerte Mosche schon sehr. Und so geschah es, dass die darauffolgenden Tage das Brot nur am Morgen auf der Erde lag. Sobald die Sonne zu scheinen begann, zerschmolz alles und es gab nichts mehr zu sammeln. Aber sie hatten alle genug für den ganzen Tag.

Nun war schon fast eine ganze Woche um und der Schabbat rückte näher. Und so sagte Mosche zu den Vorstehern der Gemeinde: „Ein Ruhetag ist morgen, ein Schabbat. Deshalb könnt ihr heute noch alles backen, was ihr braucht, und kochen, was ihr benötigt. Was davon übrigbleibt, das könnt ihr dieses Mal liegen lassen und für morgen aufbewahren. Es fault dieses Mal nicht. Denn ihr sollt morgen einen Ruhetag haben und nicht sammeln müssen.“

Und so geschah es auch. Sie ließen liegen bis zum anderen Morgen und tatsächlich: Was übrig war, war nicht wurmstichig, nein, es war wunderbar zu genießen und *schmeckte noch besser*.

Und damit sie das verstanden, erklärte ihnen Mosche noch einmal: „Heute könnt ihr davon essen. Denn heute ist ein Schabbat für den Ewigen, weshalb ihr heute nichts auf dem Feld finden werdet. Sechs Tage kannst du vom Boden auflesen, aber am siebten Tag ist Schabbat, da sollt ihr nichts auflesen, heute soll ein Ruhetag für euch sein.“

Und obwohl Mosche das wirklich laut und deutlich gesagt hatte, dass alle es hören konnten, gingen trotzdem einige hinaus, um auch heute aufzulesen. Doch sie fanden nichts.

Daraufhin sagte der Ewige zu Mosche: „Wie lange wollen die sich eigentlich noch querstellen. Ich gebe ihnen Regeln, nach denen sie sich auszurichten haben, und sie halten sich einfach nicht daran. Wie lange soll das noch gehen. Habe ich ihnen nicht extra am sechsten Tag die doppelte Menge überlassen, damit sie auch noch am Schabbat versorgt sind? Deshalb sage ich es noch einmal: Jeder soll am Schabbat bleiben, wo er ist, und nicht hinausgehen um einzusammeln.“

Nachdem der Ewige das durch Mosche noch einmal sagen ließ, ruhte das Volk den ganzen Schabbat durch.
Übrigens nannten die Jisraeliten das körnige Brot, das sie in der Wüste fanden, Man. Es war weiß und es schmeckte so süß wie Honigkuchen. Dann bekam Mosche noch die Anweisung, dass er von dem Man nehmen sollte, um es für die späteren Generationen aufzubewahren. Das sagte Mosche dem Aharon, und der sammelte für die späteren Generationen eine bestimmte Menge des Man ein.

Von nun an aßen die Kinder Jisraels stets das Man, und sie verhungerten nicht, solange sie in der Wüste wanderten, solange konnten sie von dem Man leben. Sie lebten also vierzig Jahre davon, solange sie in der Wüste waren.

Das Wasser aus dem Felsen

(17) Und die Wanderung ging weiter durch die Wüste. Die nächste Station war Refidim, da bauten sie das Lager auf und ruhten sich aus. Als sie jedoch die Vorräte musterten, stellte sich heraus, dass das Wasser wieder einmal zur Neige ging. Und kaum ging diese Nachricht durchs Lager, da brach wieder einmal ein großes Geschrei aus, und sie liefen zu Mosche und schimpften auf ihn:

„Unser Wasser ist alle! Gebt uns Wasser! Wir wollen trinken.“

Da erwiderte Mosche: „Was schimpft ihr auf mich, ihr lehnt euch gegen den Ewigen auf!“

Aber nichts half. Das Volk hatte Durst und es maulte gegen Mosche und sagte immer wieder: „Warum nur hast du uns aus Ägypten geholt? Etwa, weil du uns und unsere Herden in der Wüste verdursten lassen wolltest?“

Das hielt Mosche nicht länger aus. Er schrie zum Ewigen: „Was soll ich nur mit diesem Volk da anfangen? Fehlt noch, dass sie mich prügeln und Steine nach mir werfen und mich umbringen.“

Und der Ewige sagte zu Mosche: „Geh voran, nimm einige der Ältesten aus Jisrael mit dir mit. Vergiss auch nicht, deinen Stab, mit dem du das Meer geschlagen hast, mitzunehmen. Denn ich werde auf einem Felsen am Chorev stehen. Auf diesen Felsen sollst du schlagen, dann wird Wasser aus dem Felsen sprudeln und ihr alle könnt trinken, bis ihr keinen Durst mehr habt.

Und so ereignete es sich. Mosche ging mit einigen Ältesten voran und tat, was der Ewige gesagt hatte. Der Ort, an dem dies sich ereignete, nannte Mosche Massa und Meriva, weil es hier war, wo die Kinder Jisraels wieder einmal gemurrt und gemault hatten.
Krieg gegen Amaleq

Der Kampf gegen Amaleq

An der Lagerstätte Refidim, dort also, wo ihnen das Wasser ausgegangen war, ereignete sich noch etwas Unvorhergesehenes: Es kamen nämlich die Amaleqiter an und stellten sich bedrohlich ihnen gegenüber auf. Als Mosche sah, dass Amaleq gegen Jisrael Krieg führen wollte, da sagte er zu Jehoschua: „Schnell, such dir die besten, tapfersten und stärksten Männer aus und sammle sie dir zu einer Mannschaft. Mit ihnen zieh aus und kämpfe gegen Amaleq, bevor sie uns wehrlos angreifen. Ich dagegen werde mich, solange ihr kämpft, auf den Hügel dort drüben stellen, den Stab G"ttes in der Hand. Ich möchte dir bei deinem Kampf beistehen.“

Jehoschua versammelte also die besten Männer um sich und machte sich bereit, gegen Amaleq zu kämpfen.

Während Jehoschua zum Kampf mit seinen Männern auszog, gingen Mosche, Aharon und Chur (*der Sohn Mirjams*) zum besagten Hügel und erklommen ihn. Dort nun stellte sich Mosche auf und hielt seine Hände in die Höhe. Und da geschah es, dass, wenn Mosche die Hände hochhielt, im Kampf Jisrael stärker war. Wenn Mosche jedoch die Hände wieder fallen ließ, da wurde Amaleq wieder stärker. Deshalb streckte Mosche die Hände weit in den Himmel, solange er nur konnte. Aber die Arme wurden ihm dennoch irgendwann schwer und er wollte sie schon sinken lassen. Da kamen Aharon und Chur herbei, platzierten einen großen Stein, auf den sich Mosche setzen konnte, und stützten die Arme des Mosche, damit sie nicht niedersanken. So standen sie da, Mosche in der Mitte mit hoch aufgereckten Armen und links und rechts neben ihm Aharon und Chur, die seine Arme hielten. Und Mosche hielt auf diese Weise seine Arme *zum Gebet* bis zum Sonnenuntergang, so dass Jehoschua Amaleq besiegen konnte.

Nachdem dies überstanden war und Amaleq keine Gefahr mehr darstellte, da sagte der Ewige zu Mosche: „Das sollst du in ein Buch aufschreiben, damit du es nicht vergisst, und Jehoschua mitteilen: Ich will die Erinnerung an Amaleq unter dem Himmel auslöschen!“

Da baute Mosche einen Altar und nannte diesen Altar „Der Ewige ist mein Schutz“ und sagte: „Weil Amaleq seine Hand gegen den Thron G"ttes erhebt, darum führt der Ewige Krieg gegen Amaleq von Generation zu Generation.“

copyright 2012 Hanna Liss u. Bruno Landthaler

Fortsetzung: Paraschat Jitro

Devarim
Waetchanan
Eqev
Reeh
Schoftim
Ki Teze
Ki Tavo
Nizavim
Wajelech
Haasinu
Sot ha-Bracha

Paraschat Beschalach

Ex 13,17 - 17,16; Haftara: Ri 4,4 - 5,31

Aufbruch Zum Schilfmeer Durchs Schilfmeer Siegeslieder Jisraeliten murren Man und Wachteln Wasser aus dem Felsen Kampf gegen Amaleq
Einleitung
Fragen
Raschi
Blog

Einleitung

Nun ist es soweit: die Kinder Jisraels sind fast schon frei. Nur noch das Schilfmeer steht bevor und kann mit Hilfe Gottes durchquert werden. Was jetzt geschafft ist, ist nicht nur die Erlangung der Freiheit, sondern, damit einhergehend, die endgültige Trennung von einem anderen Volk und die „Subjektwerdung“ Jisraels. Jisrael tritt zum ersten Mal als ein selbstständiges Volk auf. Die gesamte Plagenerzählung zusammen mit der Erzählung vom Meerwunder führen auf diesen Punkt hin.

Daran schließen sich gleich mehrere sogenannte Murregeschichten an. Das Volk ist unzufrieden, weil es, aus dem Trott des Alltags Ägyptens herausgerissen, erst einmal die neue Realität verarbeiten muss. Das Volk ist keine Ansammlung von Helden, die wagemutig und zuversichtlich durch die Wüste stapfen, sondern sind Menschen, die ihre Zweifel ob des richtigen Weges hegen und manchmal auch daran verzweifeln, was ihnen auferlegt wird. Mosche (und Gott) sind zwar sehr ungeduldig mit diesem Volk, doch muss man für sie in die Waagschale werfen, dass es nicht einfach ist, die Widrigkeiten des Wüstenalltags zugunsten Gottes zu übersehen. Dass das Volk noch sehr unvertraut mit diesem Gott ist, zeigt sich übrigens auch daran, dass die Gebote, die später schließlich die Grundbeziehung zwischen Gott und Jisrael sein sollen, ganz zaghaft eingeführt werden. Mosche redet zunächst einmal ganz allgemein von der Tora und dass es schon wichtig wäre, sich ihrer anzunehmen. Das Schabbatgebot ist denn auch das erste Gebot in der Wüste, das ihnen auferlegt wird. Und auch hier zeigt sich, dass das Gottesverhältnis noch nicht ungebrochen ist. Im übrigen wird das auch vom Text her sehr deutlich: Die bisherigen Gebote, von denen der Text berichtet, sind in Erzähleinheiten eingebettet, so, als müsste sich nun auch der Leser daran gewöhnen, dass die Formulierung von Geboten ansteht und das eigentliche Ziel der "Subjektwerdung Jisraels" der Empfang der Gebote ist.

Der Text bringt in dieser Parascha immer wieder die Perspektive der nachfolgenden Generation ins Spiel, obwohl eigentlich nur eine Geschichte erzählt wird. Damit wird klar, dass es nicht nur um ein geschichtliches Ereignis handelt, sondern dass die stete Erinnerung daran sehr wichtig ist. Der Auszug aus Ägypten mitsamt den Plagen, dem Meerwunder und dem Pessach ist damit also nicht nur für die Generation prägend, die die Ereignisse selbst erlebt hat, sondern für jede nachfolgende Generation ebenfalls. Die Erinnerung an ein Ereignis verblasst also nicht, sondern bleibt lebendig, weil es eben nicht einfach ein Geschehen und grauer Vorzeit war.
Da Mosche und Aharon schon weggegangen waren, schickte der Pharao Boten aus, um sie zu holen.
Oft wird hier nur schwach übersetzt: "...was ich den Ägyptern getan habe." Raschi genügt das aber nicht, da Bilam (Num 22,29) zu seinem Esel dasselbe Wort sagt und es dort aber heißen muss: "Was treibst du mit mir deinen Spott?" Deshalb verschärft Raschi auch hier die Bedeutung: "...wie ich die Ägypter zum Gespött gemacht habe."

Fragen zur Parascha

A) Einfachere Fragen

Weshalb wurde das Volk Jisrael über einen Umweg in die Wüste geführt?

Weshalb verfolgt Pharao die Jisraeliten, obwohl er sie hat ziehen lassen?

Wie zogen die Jisraeliten durchs Meer?

Weshalb ertranken die Ägypter im Meer?

Wer alles singt ein Lied, nachdem die Jisraeliten durchs Meer gezogen waren?

Weshalb murren und maulen die Jisraeliten immer wieder in der Wüste?

Wie half der Ewige den Jisraeliten in der Wüste, damit sie genügend zu essen und zu trinken hatten?

Welches Volk trat den Jisraeliten als erstes in der Wüste entgegen?

B) Fragen für Fortgeschrittene

Wie lange werden die Jisraeliten in der Wüste bleiben?

Wann spricht Mosche das erste Mal dem Volk von der Tora und weshalb gerade dort?

Welche Vorschriften zum Schabbat kennen wir heute noch, die bereits in dieser Parascha erwähnt sind?

Als Mosche Wasser aus dem Felsen "schlagen" soll, da soll er Älteste des Volkes mitnehmen. Weshalb?

Was soll das bedeuten, dass der Ewige das Andenken an Amaleq auslöschen möchte?

copyright 2012 Hanna Liss u. Bruno Landthaler
Raschi führt hier einen Midrasch an: Der Pharao betrieb Astrologie und sah den Stern Ra´ah (steht für "böse"). Da sagte der Pharao: "Ich sehe, dass dieser Stern in der Wüste aufgeht. Er ist ein Zeichen von Blut und Tötung." Als nun die Kinder Jisraels später ums Goldene Kalb tanzten, da wollte G"tt alle töten. Aber Mosche betet zu G"tt und sagte ihm: "Soll der Pharao Recht bekommen und sagen: Seht sie sind mit Ra´ah ausgezogen und jetzt steht er vor ihnen mit Blut und Tötung." Sofort änderte G"tt die Bedeutung und meinte das Blut der Beschneidung, als Jehoschua sie im Land Jisrael beschnitt und dabei sagte (Jos. 5,9): Jetzt nehme ich die Schmach der Ägypter von euch.

Interessant an diesem Midrasch ist, dass er die astrologischen Fähigkeiten des Pharao durchaus ernst nimmt. G"tt kann deshalb die Voraussage nicht ändern, er kann aber den Sinn der Voraussage verändern.

Die Finsternis verfinstert sich noch mehr als in einer normalen Nacht. So legt Raschi den zugrundeliegenden hebräischen Ausdruck aus. Wie kommt Raschi dazu? Weil das Verb "sich verstärken" in seiner Wurzel lediglich ein Alef weniger hat als das Wort "vergangene Nacht". Raschi argumentiert, dass ein Alef im Hebräischen kaum zu hören ist, deshalb kann es durchaus wegfallen. Für diese Argumentation führt er verschiedene Beispiele an.

Raschis Kommentar

Im Text sind einige Wörter/Sätze unterstrichen. Wenn man mit der Maus darüber geht, dann macht sich rechts ein Fenster auf mit einem Kommentar.

Manchmal sind das nur erläuternde Sätze, oft aber versuchen wir hier, das wiederzugeben, was Raschi zu der entsprechenden Stelle kommentiert hat. Dadurch bekommt man eine Hilfe an die Hand, in welch unterschiedlicher Weise die Tora interpretiert werden kann.

Wir nehmen deshalb Raschi, weil er für die jüdische Auslegung der Bibel sehr wichtig geworden ist. Raschi hat es verstanden, die vielen Auslegungen, die es zu seiner Zeit in den Midraschim gab, zu bündeln und daraus sozusagen das Wichtigste zu betonen. Raschi hilft heute vor allem darin, uns zu lehren, den Text sehr genau zu lesen und immer wieder Fragen an den Text zu stellen. Für Raschi war der Text nie einfach nur da und schon gar nicht dafür da, ihn einfach "herunterzubeten".

Natürlich konnten wir hier den Raschi-Kommentar nicht vollständig wiedergeben, auch nicht wörtlich. Aber wir wollten wenigstens einen Eindruck verschaffen, in der HOffnung, auch den Bibeltext verständlicher werden zu lassen

Da wir hier noch eine Baustelle haben und wir Woche für Woche uns voranarbeiten, sind natürlich noch nicht alle Stellen kommentiert. Das werdet Ihr aber ganz einfach daran merken, dass im Text nichts mehr unterstrichen ist.

Raschi weist darauf hin, dass es beim Propheten Joel heißt, dass da eine Heuschrecken-plage war, wie sie noch nie gesehen war (Joel 2,2). Wurde also die ägyptische Heu-schreckenplage doch noch übertrumpft? Natürlich nicht. Und Raschi differenziert ganz fein: Bei Joel waren es vier Arten von Heuschrecken, in Ägypten war es nur eine Art. Und die wurde auch später nie übertroffen. Bei Joel waren es also deshalb mehr, weil es mehrere Arten gab.

Wichtig ist, dass sich Rachi nicht einfach auf eine sprachliche Redewendung zurückzieht: Das sagt man halt so. Vielmehr nimmt er den Ausdruck wörtlich und damit sehr ernst.

Weshalb ein Ostwind? Weil Ägypten südwestlich von Palästina liegt. Und für Raschi ist es klar, dass ein Wind, den G"tt schickt, aus dem Gebiet Palästinas kommen muss, also aus dem Heiligen Land.
Raschi versteht an dieser Stelle sogar den Pharao. Der Pharao denkt sich nach Raschi nämlich, dass die Jisraeliten bisher immer den Opferdienst für ihren G"tt verlangt haben. Aber Kinder opfern nicht, sondern nur Männer. Und deshalb ist es aus Sicht des Pharao durchaus normal, wenn er diese Einschränkung macht.
Raschi fragt, warum ausgerechnet Finsternis eine Plage war. Mithilfe des Midrasch gibt er eine Antwort: Weil es unter den Jisraeliten einige gab, die nicht aus Ägypten ausziehen wollten, ließ G"tt diese Leute genau in dieser Finsternis sterben, so dass auf der anderen Seite die Ägypter es nicht sehen konnten. Sonst hätten die Ägypter ja sagen können: Seht, die werden auch geschlagen.
Pharaos Versuch bei den letzten Zusammentreffen, einen Kompromiss auszuhandeln, schlägt fehl. Es gibt auch keinen Kompromiss, bei dem der Pharao sein Gesicht wahren könnte. Denn es geht nach diesem Text um die Trennung zweier Völker bzw. um die Etablierung des Volkes Jisrael. Und die kann nur kompromisslos durchgehalten werden. Insofern läuft nun alles auf den schlimmsten auszudenkenden Fall hinaus: Die Plage, die den Riss zwischen Ägypten und Jisrael deutlich macht, die Schlagung der Erstgeburt
Nach Raschi sagt das Mosche, als er noch vor Pharao stand, also bevor sie endgültig voneinander gegangen sind. Denn oben heißt es ja noch: Ich werde mich nicht mehr sehen lassen.
Raschi weist darauf hin, dass der hebräische Ausdruck nicht bedeutet: Genau um Mitternacht, sondern: Etwa um Mitternacht, vielleicht etwas davor, vielleicht etwas danach. Warum? Die Astrologen des Pharao könnten sich bei der Vorausbestimmung der Zukunft irren, und dann würden sie Mosche als einen Lügner bezeichnen.
Warum wurden auch die Erstgeborenen der Mägde geschlagen? Raschis Antwort: Weil auch sie die Jisraeliten unterdrückten und sich an ihrem Leid erfreuten.

Offensichtlich treibt Raschi die Frage um, weshalb Menschen für etwas bestraft werden, was sie eventuell nicht gemacht haben. Daher unterstellt er auch den einfachen Ägyptern, dass auch sie Freude daran hatten, dass andere leiden mussten. Ein Phänomen übrigens, das bis in die neueste Zeiten hinein zu beobachten ist: Nicht nur die Mächtigen unterdrücken Minderheiten, sondern auch die einfachen Leute, sofern sie nicht zur Minderheit gehören, erfreuen sich, wenn andere unterdrückt werden.

Raschi betont ganz deutlich, dass G"tt nicht nur einen Unterschied setzt zwischen Ägypten und Jisrael, sondern beide Völker auch trennt. Das ist das Grundanliegen der gesamten Plagenerzählung: Es geht um die Trennung Jisraels von Ägypten, die wesentliche Voraussetzung dafür, dass Jisrael ein eigenes Volk werden kann.
Nach Raschi kommen aber nicht die Diener des Pharao, sondern der Pharao selbst. Und dann ist es ein Beweis für die "Ehre der Regierung" (das ist ein Ausdruck, der bedeutet, dass man jedweder Regierung Ehre erweisen muss, da man vom Wohl der Regierung abhängig ist). Denn es hieß vorher nicht: "Und dann wirst du, Pharao, zu mir angelaufen kommen und zu mir sagen..." Das wäre der Regierung keine Ehre erwiesen.
Raschi: Aharon erhält hier eine besondere Ehre, weil er beim ersten Gebot ebenfalls miterwähnt wird.
Raschi hat schon zu Beginn der Tora (zu Gen 1,1) darauf hingewiesen, dass die Tora eigentlich mit Ex 12,1 beginnen müsste, denn hier wird von G"tt das erste Gebot für Jisrael an Mosche und Aharon formuliert.
Im Hebräischen heißt es wörtlich: "Dieser Neumond..." Für Raschi steckt nicht nur dahinter, dass dieser Monat als besonderer bezeichnet wird, sondern auch, dass G"tt Mosche allererst lehrt, was ein Neumond ist (denn den zu bestimmen, ist eine halachische Kategorie und muss deshalb von G"tt erst mitgeteilt werden): G"tt nimmt also Mosche und zeigt ihm den Neumond und sagt ihm: Immer wenn sich der Mond wieder erneuert, musst du für dich einen Neumond rechnen.