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4. Schwat 5772 28. Januar 2012

copyright 2012 Hanna Liss u. Bruno Landthaler

Achte Plage: Heuschrecken

(10) Und noch einmal sprach der Ewige zu Mosche: „Komm, Mosche, geh zum Pharao. Du weißt, ich habe es so eingerichtet, dass er hartherzig ist. Das habe ich deshalb getan, dass ich möglichst viele Wunderzeichen vollbringen kann, damit du noch deinen Kindern und Enkeln und Urenkeln erzählen kannst, wie ich die Ägypter zum Gespött gemacht habe. Ich möchte, dass ihr erkennt, dass ich der Ewige, euer Gott bin.“

Und wie der Ewige angeraten hatte, gingen Mosche und Aharon zum Pharao und sagten zu ihm: „So spricht der Ewige, der Gott der Hebräer, zu dir: ‚Wie lange willst du warten, dich zu unterwerfen? Lass endlich mein Volk gehen. Weigerst du dich weiterhin, so sollst du wissen, dass ich dir dann Heuschrecken ins Land schicke. Und die Heuschrecken werden alles bedecken, so dass nichts mehr zu sehen ist. Sie werden den letzten Rest, den der Hagel noch übriggelassen hat, abfressen bis auf den letzten Grashalm. Aber nicht nur auf den Feldern werden sie springen, nein, auch eure Häuser werden voll sein von ihnen, dass ihr nicht mehr wisst wohin.“

Dann gingen Mosche und Aharon von Pharao fort. Da kamen die Berater zum Pharao gerannt und redeten auf ihn ein: „Wie lange noch willst du das Spiel mitmachen, wie lange sollen die da noch unser Unglück sein? Lass doch die Leute gehen, dass sie ihrem Ewigen, ihrem Gott, dienen können. Merkst du denn nicht, wie diese Leute uns zugrunde richten?“

Da lenkte der Pharao ein und ließ Mosche und Aharon noch einmal rufen. Als diese vor ihm standen, fragte er sie: „Wer von euch soll denn in die Wüste ziehen, damit ihr dienen könnt?“ Und Mosche antwortete: „Unsere Jungen und unsere Alten, unsere Söhne und unsere Töchter, unsere Schafe und unsere Rinder, alle sollen hinausgehen in die Wüste, damit wir ein Fest feiern können.“

Nach einer kurzen Pause sagte der Pharao: „Der Ewige möge mit euch sein, aber wie sollte ich eure Kinder mit euch gehen lassen! Pah! Ihr habt nur Böses vor, das weiß ich. Und deshalb könnt ihr gerne in die Wüste gehen und eurem Gott dienen. Allerdings nur die Männer!“

Und der Pharao machte ein Zeichen, und Mosche und Aharon wurden aus der Halle des Pharao hinausgeworfen.

Das war das Zeichen für den Ewigen! Sogleich sagte der Ewige zu Mosche: „Streck deine Hand gegen Ägypten aus, auf dass Heuschrecken über das Land Ägypten hereinfallen und ganz Ägypten bedecken. Sie sollen sich gefräßig übers Land hermachen und jeden Grashalm abfressen, jedes Kraut und jedes Blatt.“ Und so machte es Mosche. Er streckte seinen Stab gegen das Land Ägypten aus, und sogleich ließ der Ewige einen starken Ostwind aufkommen, der die Heuschrecken herantrug. Und die Heuschrecken überfielen das Land Ägypten, und sie machten sich über jedes Grün, über jedes Pflänzlein, Blättchen und Kraut her und fraßen alles kahl. Eine solche Heuschreckenplage hatte Ägypten noch nie gesehen und wird es auch nie wieder sehen. Es blieb nichts Grünes an den Bäumen, nichts Grünes auf den Feldern.

Als der Pharao sah, welches Ausmaß diese Plage hatte, da ließ er eilends Mosche und Aharon rufen und sagte ihnen: „Ich gebe zu, ich habe gegen euch und euren Gott unrecht getan. Aber ich bitte euch um Verzeihung, dies eine Mal nur, verzeiht mir und betet zu eurem Gott, damit die Heuschrecken ein Ende nehmen!“

Und Mosche ging zum Ewigen und betete zu ihm. Und sogleich verwandelte der Ewige den Wind in einen starken Westwind, der die Heuschrecken wie von Geisterhand mitnahm und ins Schilfmeer brachte. Nicht eine einzige Heuschrecke blieb übrig.

Aber noch einmal richtete es der Ewige ein, dass der Pharao hartherzig wurde, weshalb der Pharao sich wieder weigerte, das Volk ziehen zu lassen.

Neunte Plage: Finsternis

Der Ewige sagte zu Mosche: „Streck deine Hand zum Himmel. Dann wird Finsternis über Ägypten hereinbrechen, eine so starke Finsternis, dass man sie greifen kann.“ Und Mosche machte es. Er streckte seine Hand zum Himmel aus, und schon brach eine dichte Finsternis über das Land Ägypten herein. Und es sollte drei Tage und drei Nächte stockfinster bleiben.

Der eine sah den andern nicht, stieß sich an Mauern, fiel in Gruben, sie stürzten hin, konnten nichts machen, selbst das Essen war unmöglich geworden, weil man nichts fand, was man hätte essen können. Nur die Kinder Jisraels hatten Licht in ihren Wohnungen.

Als der Pharao sah, wie unmöglich es war, in einer Dauerfinsternis zu leben, da ließ er Mosche rufen und sagte ihm: „Geht endlich und dient eurem Gott. Nur die Schafe und Rinder, die lasst hier. Eure Kinder mögen mit euch gehen.“

Da erwiderte Mosche: „Du irrst! Nicht nur, dass unsere Tiere bis zum letzten Stück mitgehen werden, auch du wirst uns noch Mehl für das Opfer mitgeben. Tut uns leid, aber unsere Tiere müssen mit. Denn von ihnen müssen wir nehmen, um für den Ewigen zu schlachten. Aber leider wissen wir erst an Ort und Stelle, welche Tiere wir schlachten dürfen. Und so müssen wir unsere ganzen Herden mitnehmen.“

Und so machte es der Ewige, dass der Pharao hartherzig blieb und auf diesen Handel nicht einging. Er schrie sie an: „Weg mit euch, und hütet euch, noch einmal vor mir aufzutauchen. Wenn ich euch hier noch einmal sehe, dann werde ich euch töten lassen.“

Mosche erwiderte: „Ganz Recht. Mir ist es jetzt auch genug. Ich werde mich hier nicht mehr sehen lassen!“

Ankündigung der zehnten Plage

(11) Und dann sagte der Ewige zu Mosche: „Jetzt möchte ich nur noch eine Plage über den Pharao und Ägypten bringen. Dann soll genug sein, und er wird euch alle gehen lassen. Und nicht nur das: Er wird euch hinauswerfen. Aber nun bitte ich dich, dass du dem Volk Anweisungen gibst, damit es weiß, was passieren wird. Zuerst sollen die Jisraeliten, Männer und Frauen, zu ihren Freunden und Freundinnen in Ägypten gehen und sich silberne und goldene Gefäße erbitten.“

Das sagte Mosche dem Volk. Und der Ewige richtete es so ein, dass die Ägypter im großen und ganzen den Hebräern wohlgesonnen waren, auch Mosche war hochangesehen im Land.

Und Mosche ließ weiter im Namen des Ewigen dem Pharao mitteilen: „Etwa um Mitternacht trete ich hinaus in das Land Ägypten. Dann sollen alle Erstgeborenen im ganzen Land Ägypten sterben. Angefangen beim Erstgeborenen des Pharao bis zu den Erstgeborenen der Mägde. Auch alles Erstgeborene beim Vieh soll sterben. Und dann werden die Ägypter jammern, so laut, wie es noch nie gehört worden ist in ganz Ägypten. Nur die Kinder Jisraels werden geschont werden, kein Mensch und kein Stück Vieh wird sterben, kein Hund die Kinder Jisraels anknurren. Damit ihr erkennt, dass der Ewige einen Unterschied setzt zwischen den Ägyptern und den Jisraeliten und beide trennt. Dann endlich werden deine Diener gerannt kommen und sich vor mir niederwerfen und vor mir winseln: ‚Bitte geht endlich, geht, aber lass uns in Ruhe!´Und ich werde dann weggehen!“ Und Mosche wandte sich voller Zorn um und ging.

Und genauso, wie der Ewige gesagt hatte, dass der Pharao nicht hören würde, damit die Wunder in Ägypten zahlreich seien, so hatte der Ewige es eingerichtet, dass der Pharao hartherzig wird und das Volk nicht gehen ließ.

Das Pessach

(12) Danach sprach der Ewige wieder zu Mosche und Aharon und gab folgende Anweisungen: „Dieser Monat (Nissan), in dem ihr nun aus Ägypten geht und ein neues Leben anfangt, dieser Monat soll für alle Zeiten euer erster Monat sein. Nicht nur der erste, sondern auch der beste.

Und das gebt auch der Gemeinde Jisraels weiter, damit sie sich für den Aufbruch vorbereiten können: Jede Familie soll sich am am 10. Nisan ein Lamm nehmen. Ihr könnt, wenn ihr zu kleine Familien habt (*die ein ganzes Lamm nicht essen können*), euch auch zusammentun und gemeinsam ein Lamm nehmen. Aber nehmt ein Lamm. Und zwar nicht einfach irgendein Lamm. Das Lamm soll vielmehr männlich sein, es soll nicht älter als ein Jahr alt sein, und es soll fehlerlos sein (also weder ein gebrochenes Bein haben, noch sonst irgendwo krank oder gebrechlich sein). Es kann ein Lamm von den Schafen oder ein Lamm von den Ziegen sein, das ist egal.

Und dieses Lamm bewahrt ihr bei euch *und untersucht es solange*, bis der 14. Nisan kommt, und dann soll die ganze Gemeinde Jisraels am Abend des Vierzehnten hingehen und die Lämmer schlachten. Wenn ihr das getan habt, dann nehmt ihr vom Blut der Lämmer und streicht damit die Türpfosten der Häuser an, in denen ihr das Fleisch essen werdet. Das Fleisch der Lämmer sollt ihr in dieser Nacht essen, und zwar über dem Feuer gebraten. Auch ungesäuertes Brot und Bitterkräuter sollt ihr dazu essen. Aber nochmals: Das Lamm sollt ihr braten, auch sollt ihr es an einem Stück braten. Und lasst davon nichts übrig. Bis zum anderen Morgen in der Dämmerung* muss alles gegessen sein. Was ihr nicht schafft zu essen und deshalb übrigbleibt, das verbrennt ihr dann vollständig im Feuer.

Und dann sollt ihr danach aufbrechen und aus Ägypten fliehen. Deshalb esst das Lamm nicht in Gemütlichkeit, nein, in Eile sollt ihr es essen, die Schuhe bereits angezogen, den Stock in der Hand, den Mantel umgeworfen. So sollt ihr dieses letzte Mahl in Ägypten einnehmen.

Und es ist nicht einfach ein Mahl, es ist ein Opfer des Vorübergehens, ein Pessach-Opfer, so will ich es nennen. Denn in dieser Nacht werde ich durch das Land Ägypten gehen und alle Erstgeborenen erschlagen. Aber dort, wo die Türen mit dem Blut der Lämmer bestrichen sind, dort werde ich vorübergehen und nichts tun. Ihr seid sicher, wenn ich Ägypten schlage.

Das Pessachfest für alle Generationen

Merkt euch für alle Zeiten: Dieser Tag sollt ihr euch merken, denn ihr sollt ihn immer für den Ewigen feiern, Jahr für Jahr. Und nicht nur ihr, sondern auch eure Kinder und Enkel und Urenkel, auch sie sollen diesen Tag immerzu feiern. Das soll euch eine ewige Regel sein.

So sollt ihr feiern: Sieben Tage sollt ihr Mazza essen, nichts Gesäuertes in eurem Haus haben während dieser Zeit. Schon am Vortag* müsst ihr alles Gesäuerte hinausgeschafft haben. Denn jeder, der während dieser sieben Tage Gesäuertes in seinem Haus aufbewahrt, wird aus Jisrael ausgetilgt werden.

Der erste und der letzte Tag sollen euch besondere Tage, Feiertage, sein: An ihnen soll sich die Gemeinde versammeln. Keine Arbeit dürft ihr an diesen Tagen erledigen, außer euer Essen vorbereiten, das dürft ihr tun. Und natürlich darauf achten, dass ihr nur Ungesäuertes esst. Denn an diesem Tag, das sollt ihr wissen, habe ich euch aus Ägypten herausgebracht, und deshalb soll euch der Tag ein besonderer sein und ihr sollt ihn beachten. Eine ewige Regel soll es für euch sein.

Im ersten Monat also, am vierzehnten Tag, sollt ihr, am Abend beginnend, kein gesäuertes Brot mehr essen. Und das bis zum einundzwanzigsten Tag dieses Monats am Abend. Sieben Tage also darf in euren Häusern kein Sauerteig sein, nichts, was Sauerteig enthält. Und jeder, der Sauerteighaltiges im Haus aufbewahrt, wird aus Jisrael getilgt werden.

Pessach wird vorbereitet

Nachdem der Ewige diese Anweisungen gegeben hatte, gingen Mosche und Aharon zu den Jisraeliten und riefen die Ältesten Jisraels zusammen. Ihnen gaben sie bekannt:

„Geht hin, nehmt euch für eure Familien ein Schaf (*oder, wenn ihr keines habt, kauft eines*) und schlachtet es. Das soll euch das Opfer des Vorübergehens, das Pessach-Opfer, sein. Das Blut des Lammes fangt in einer Schale auf. Nehmt danach einen Büschel, taucht es in das Blut und bestreicht damit die Türpfosten mit dem Blut. Habt ihr das gemacht, so sollt ihr in euren Häusern bleiben, die ganze Nacht hindurch. Denn der Ewige wird durch Ägypten gehen und Ägypten schlagen. Nur an den Türen, die mit Blut bestrichen sind, wird er vorübergehen und euch verschonen.

Das sollt ihr als eine ewige Regel beachten, du und deine Kinder, auf ewig. Sobald ihr in das Land kommt, das der Ewige euch geben wird, sollt ihr ein Fest für den Ewigen feiern. Und wenn euch dann eure Kinder fragen, was dieses Fest für den Ewigen bedeutet, dann sollt ihr antworten: ‚Es ist ein Opfer des Vorübergehens, ein Pessach-Opfer, für den Ewigen. Denn der Ewige ist in Ägypten an den Häusern Jisraels vorübergegangen, während er die Ägypter geschlagen hat.´“

Und als das Volk das hörte, da verneigten sich alle und warfen sich auf den Boden nieder. Danach gingen sie alle nach Hause und machten genau das, was ihnen Mosche und Aharon befohlen hatte.

Zehnte Plage: Die Schlagung der Erstgeburt

Und es war Mitternacht, als der Ewige durch Ägypten zog und alle Erstgeborenen im Land Ägypten erschlug, vom Erstgeborenen des Pharao bis zum Erstgeborenen des Gefangenen, auch alles Erstgeborene des Viehs.

Als die Ägypter das bemerkten, stand der Pharao, seine Diener und alle Ägypter in der Nacht auf und fingen an zu janmern. Denn es gab kein Haus, wo es nicht mindestens einen Toten gab.

Da ließ Pharao Mosche und Aharon rufen und sagte ihnen voller Entsetzen: „Macht euch fort, entfernt euch endlich aus unserem Volk, ihr und eure Leute. Geht hin und dient eurem Ewigen, wie ihr es gesagt habt. Auch eure Schafe, eure Rinder und alles, was euch gehört, nehmt mit euch. Geht und betet auch für mich (*dass ich nicht sterbe*)!"

Aber die Ägypter drängten das Volk, dass sie endlich gehen mögen. Sie konnten es überhaupt nicht mehr erwarten, bis sie endlich gingen, denn sie sagten sich, dass sie alle noch sterben würden, solange die Jisraeliten in ihrer Mitte weilten. Da mussten sich also die Jisraeliten sputen, da überall schon die Ägypter bedrohlich standen und darauf warteten, dass die Jisraeliten endlich gingen. Daher kam es, dass die Jisraeliten den Teig, den sie für die Reise angesetzt hatten, noch gar nicht durchgesäuert war. Aber sie nahmen den Teig dennoch in Backtrögen auf die Schultern und nahmen ihn ungesäuert mit.

Zuvor hatten die Kinder Jisraels getan, was Mosche und Aharon von ihnen gefordert hatten. Sie waren zu den Ägyptern gegangen, ließen sich silberne und goldene Geräte geben und sie bekamen auch das Gewünschte, weil der Ewige es so eingerichtet hatte, dass die Ägypter den Jisraeliten wohlgesonnen waren. Und so wurde es auch möglich, dass die Kinder Jisraels von den Ägyptern allerlei Dinge nahmen.

Der Aufbruch

Die Kinder Jisraels wanderten zunächst von Ramses, wo sie aufgebrochen waren, Richtung Sukkot. 600.000 Männer, *die 20 Jahre oder älter waren*, also ohne die Kinder gerechnet, waren zu Fuß unterwegs. Auch viele andere Leute *aus anderen Völkern* kamen mit, dazu noch überaus zahlreiche Schafe und Rinder.

Unterwegs, wenn sie eine Rast machten, buken sie aus dem ungesäuerten Teig, den sie aus Ägypten mitgenommen hatten, ungesäuerte Kuchen.

Als die Kinder Jisraels aus Ägypten zogen, hatten sie ganze 430 Jahre in der Fremde* verbracht. Und nach diesen 430 Jahren, an eben diesem Tag, zogen die Scharen des Ewigen aus dem Land Ägypten. Diese Nacht, an der sie auszogen, hatte der Ewige zum Aufbruch bestimmt, und er hatte auch bestimmt, dass diese Nacht gefeiert werden sollte von allen späteren Generationen.

Weitere Regeln für das Pessachfest

Der Ewige hatte zu Mosche und Aharon auch gesagt: „Es soll als feste Regel für das Pessachfest gelten: Einer, *der sich von Gott entfernt hat*, darf von dem Lamm nicht essen. Nur ein Beschnittener darf sich dazusetzen und davon essen. Hast du dir also einen Knecht eingestellt, der nicht beschnitten ist, so beschneide ihn zuerst, dann darf er auch von dem Opfer des Vorübergehens essen.

Bringt das Opfer auch nicht außer Hauses. In den Häusern sollt ihr es essen, und nicht etwa in ein zweites bringen, damit davon andere Familien essen können. Nein, in einem Haus soll es gegessen werden.

Außerdem sollt ihr an dem Lamm keinen Knochen zerbrechen. Das Lamm soll unversehrt bleiben, sonst kann ich es als Opfer nicht annehmen.

Und denkt auch dran: Die ganze Gemeinde Jisraels soll das Opfer schlachten. Nicht etwa nur ein paar Familien. Nein, alle!

Und ist ein Fremder unter euch, der ebenfalls ein Opfer des Vorübergehens schlachten möchte, so soll bei ihm und seiner ganzen Familie alles, was männlich ist, beschnitten werden. Denn wenn er sich beschneiden lässt, dann ist er kein Fremder mehr und dem Einheimischen gleichgestellt. Aber auf keinen Fall darf ein Unbeschnittener von dem Lamm essen."

Und so machten es die Kinder Jisraels auch. Genau so wie es der Ewige Mosche und Aharon angewiesen hatte, genau so machten sie es. Und so führte der Ewige, nachdem er diese Anweisungen gegeben hatte, die Kinder Jisraels aus dem Land Ägypten heraus.

Die ungesäuerten Brote

(13) Und während das Volk durch die Wüste wanderte, sagte Mosche dem Volk eindringlich: „Ihr seid nun aus dem Land Ägypten herausgebracht worden. Der Ewige hat euch mit seiner starken Hand aus eurem Sklavenhaus befreit. Ihr habt es selbst gesehen. Deshalb müsst ihr, solange ihr lebt, an diesen Tag denken. Ihr dürft ihn nicht vergessen, er ist zu wichtig für euch! Und deshalb dürft ihr nichts Gesäuertes essen. Denkt dran, dass ihr heute, an diesem Frühlingstag, auszieht. Und ihr sollt auch daran denken, wenn euch der Ewige in das Land Kenaan bringen wird, in das Land, das er euren Vätern versprochen hat, in das Land, das von Milch und Honig fließt. Und deshalb sollt ihr, wenn ihr in diesem Land seid, eine Feier in diesem Monat (an diesem Tag) abhalten, damit du stets daran denkst. Sieben Tage sollst du ungesäuertes Brot essen. Und am siebten Tag ist wieder ein Fest für den Ewigen. Die ganzen sieben Tage sollst du aber ungesäuerte Brote essen, und nichts Gesäuertes soll sich in deinem Haus befinden. Und damit es in eurem Gedächtnis bleibt, sollst du an diesem Tag deinen Kindern, *die noch nicht zu fragen verstehen*, erzählen: ‚Ich esse deshalb Ungesäuertes, weil der Ewige mich aus Ägypten herausgebracht hat.´ Und weil dich der Ewige aus Ägypten herausgebracht hat, deshalb sollst du es als Zeichen an deiner Hand und zur Erinnerung zwischen deinen Augen tragen. So trägst du die Tora des Ewigen in deinem Mund, dass der Ewige dich mit starker Hand aus Ägypten gebracht hat. So denke daran, die Festtage zu bewahren.

Und denk auch daran, das Gesetz der Erstgeburt zu halten. Das sollst du halten, auch wenn du in das Land Kenaan kommst. Alles, was zuerst den Mutterschoß durchstößt, gehört dem Ewigen. Auch der erste Wurf beim Vieh, sofern er männlich ist, gehört auch dem Ewigen. Aber du kannst das Erstgeborene auslösen. Vor allem der Erstgeborene beim Menschen musst du auslösen, damit er unter euch leben kann. Und wenn dich einmal dein Sohn fragt, warum wir das denn machen, so antworte ihm: ‚Mit starker Hand hat uns der Ewige aus Ägypten, aus dem Sklavenhaus, geführt. Und da sich der Pharao weigerte, uns ziehen zu lassen, da erschlug der Ewige die Erstgeborenen der Ägypter. Deshalb opfere ich das Erstgeborene vom Vieh für den Ewigen, denn ihm gehört der Erstgeborene, und den Erstgeborenen unter meinen Söhnen löse ich aus. Denn er gehört eigentlich dem Ewigen. Und das ist zum Zeichen an deiner Hand und als Stirnband zwischen deinen Augen, dass der Ewige uns mit starker Hand aus Ägypten gebracht hat.

copyright 2012 Hanna Liss u. Bruno Landthaler

Fortsetzung: Paraschat Beschalach

Devarim
Waetchanan
Eqev
Reeh
Schoftim
Ki Teze
Ki Tavo
Nizavim
Wajelech
Haasinu
Sot ha-Bracha

Paraschat Bo

Ex 10,1 - 13,16; Haftara: Jer 46,13-28

8. Heuschrecken 9. Finsternis Ankündigung 10. Plage Pessach Pessach für später Pessach wird vorbereitet 10. Plage Aufbruch Pessach-Regeln Ungesäuerte Brote
Einleitung
Fragen
Raschi
Blog

Einleitung

Diese Parascha ist die unmittelbare Fortsetzung der vorangegangenen. Thema sind also nach wie vor „die Plagen“, das allerdings mit dem Thema „Pessach“ verbunden wird. Der Auszug aus Ägypten und Pessach: das gehört unmittelbar zusammen. Und ging es bei den Plagen, wie das letzte Mal besprochen, vor allem darum, dass das Volk Jisrael ein erstes Mal eine Identität finden soll, indem es sich von Ägypten unterscheidet und sich absetzt, so erhält es nun genau dafür ein eigenes Fest. Denn was ist das Besondere an diesem Fest? Dass man mit dem Blut des geschlachteten Lammes die Türpfosten einschmieren soll, damit - so wird in der nächsten Parascha erzählt - der „Todesengel“, der alle Erstgeborenen erschlagen soll, an den Häusern Jisraels vorbeiziehen kann. Das Fest gewissermaßen zur Unterscheidung, und damit zur Identitätsfindung.

Aber es wird nicht nur erzählt, wie die Jisraeliten das Fest an diesem 14. Nisan vorbereiten und feiern sollen, sondern es wird sofort mitgegeben, dass dieses Fest jedes Jahr gefeiert werden soll, wenn sie einmal im Land Jisrael sind. Das Fest wird also, sobald es angeordnet wird, von seinem historischen Kern entkontextualisiert, was so viel bedeutet, dass das Fest kein Fest sein soll, mit dem man einem historischen Ereignis huldigt, also rückwärtsgewand ist, sondern es steht gleichzeitig auch für sich selbst. Die Jisraeliten (und später die Juden) sollen sich ihrer Identität als Volk bewusst werden, egal wo sie leben. Dieser Charakter ist besonders an diesem Fest ausgeprägt.

Der Text bringt in dieser Parascha immer wieder die Perspektive der nachfolgenden Generation ins Spiel, obwohl eigentlich nur eine Geschichte erzählt wird. Damit wird klar, dass es nicht nur um ein geschichtliches Ereignis handelt, sondern dass die stete Erinnerung daran sehr wichtig ist. Der Auszug aus Ägypten mitsamt den Plagen, dem Meerwunder und dem Pessach ist damit also nicht nur für die Generation prägend, die die Ereignisse selbst erlebt hat, sondern für jede nachfolgende Generation ebenfalls. Die Erinnerung an ein Ereignis verblasst also nicht, sondern bleibt lebendig, weil es eben nicht einfach ein Geschehen und grauer Vorzeit war.
Da Mosche und Aharon schon weggegangen waren, schickte der Pharao Boten aus, um sie zu holen.
Oft wird hier nur schwach übersetzt: "...was ich den Ägyptern getan habe." Raschi genügt das aber nicht, da Bilam (Num 22,29) zu seinem Esel dasselbe Wort sagt und es dort aber heißen muss: "Was treibst du mit mir deinen Spott?" Deshalb verschärft Raschi auch hier die Bedeutung: "...wie ich die Ägypter zum Gespött gemacht habe."

Fragen zur Parascha

A) Einfachere Fragen zur Parascha

Von welchen Plagen wird in dieser Parascha erzählt?

Weshalb lässt sich der Pharao durch die Plagen nicht beeindrucken und hört noch immer nicht auf Mosche und Aharon?

Nach welcher Plage lässt Pharao die Jisraeliten ziehen?

Wieviele Jahre waren die Jisraeliten in Ägypten?

B) Fragen für Fortgeschrittene

Welche Gebote zu Pessach werden heute noch eingehalten, die schon in dieser Parascha aufgezählt werden?

Welche Gebote zu Pessach, die in dieser Parascha abgehandelt werden, werden heute nicht mehr eingehalten? Weshalb nicht?

Weshalb wird zum Schluss der Parascha das Erstgeburtsrecht eigens erwähnt? Was hat es mit Pessach zu tun?

Es gibt heute das Erstgeborenen-Fasten vor Pessach. Wozu wurde dieser Brauch eingeführt?

copyright 2012 Hanna Liss u. Bruno Landthaler
Raschi führt hier einen Midrasch an: Der Pharao betrieb Astrologie und sah den Stern Ra´ah (steht für "böse"). Da sagte der Pharao: "Ich sehe, dass dieser Stern in der Wüste aufgeht. Er ist ein Zeichen von Blut und Tötung." Als nun die Kinder Jisraels später ums Goldene Kalb tanzten, da wollte G"tt alle töten. Aber Mosche betet zu G"tt und sagte ihm: "Soll der Pharao Recht bekommen und sagen: Seht sie sind mit Ra´ah ausgezogen und jetzt steht er vor ihnen mit Blut und Tötung." Sofort änderte G"tt die Bedeutung und meinte das Blut der Beschneidung, als Jehoschua sie im Land Jisrael beschnitt und dabei sagte (Jos. 5,9): Jetzt nehme ich die Schmach der Ägypter von euch.

Interessant an diesem Midrasch ist, dass er die astrologischen Fähigkeiten des Pharao durchaus ernst nimmt. G"tt kann deshalb die Voraussage nicht ändern, er kann aber den Sinn der Voraussage verändern.

Die Finsternis verfinstert sich noch mehr als in einer normalen Nacht. So legt Raschi den zugrundeliegenden hebräischen Ausdruck aus. Wie kommt Raschi dazu? Weil das Verb "sich verstärken" in seiner Wurzel lediglich ein Alef weniger hat als das Wort "vergangene Nacht". Raschi argumentiert, dass ein Alef im Hebräischen kaum zu hören ist, deshalb kann es durchaus wegfallen. Für diese Argumentation führt er verschiedene Beispiele an.

Raschis Kommentar

Im Text sind einige Wörter/Sätze unterstrichen. Wenn man mit der Maus darüber geht, dann macht sich rechts ein Fenster auf mit einem Kommentar.

Manchmal sind das nur erläuternde Sätze, oft aber versuchen wir hier, das wiederzugeben, was Raschi zu der entsprechenden Stelle kommentiert hat. Dadurch bekommt man eine Hilfe an die Hand, in welch unterschiedlicher Weise die Tora interpretiert werden kann.

Wir nehmen deshalb Raschi, weil er für die jüdische Auslegung der Bibel sehr wichtig geworden ist. Raschi hat es verstanden, die vielen Auslegungen, die es zu seiner Zeit in den Midraschim gab, zu bündeln und daraus sozusagen das Wichtigste zu betonen. Raschi hilft heute vor allem darin, uns zu lehren, den Text sehr genau zu lesen und immer wieder Fragen an den Text zu stellen. Für Raschi war der Text nie einfach nur da und schon gar nicht dafür da, ihn einfach "herunterzubeten".

Natürlich konnten wir hier den Raschi-Kommentar nicht vollständig wiedergeben, auch nicht wörtlich. Aber wir wollten wenigstens einen Eindruck verschaffen, in der HOffnung, auch den Bibeltext verständlicher werden zu lassen

Da wir hier noch eine Baustelle haben und wir Woche für Woche uns voranarbeiten, sind natürlich noch nicht alle Stellen kommentiert. Das werdet Ihr aber ganz einfach daran merken, dass im Text nichts mehr unterstrichen ist.

Raschi weist darauf hin, dass es beim Propheten Joel heißt, dass da eine Heuschrecken-plage war, wie sie noch nie gesehen war (Joel 2,2). Wurde also die ägyptische Heu-schreckenplage doch noch übertrumpft? Natürlich nicht. Und Raschi differenziert ganz fein: Bei Joel waren es vier Arten von Heuschrecken, in Ägypten war es nur eine Art. Und die wurde auch später nie übertroffen. Bei Joel waren es also deshalb mehr, weil es mehrere Arten gab.

Wichtig ist, dass sich Rachi nicht einfach auf eine sprachliche Redewendung zurückzieht: Das sagt man halt so. Vielmehr nimmt er den Ausdruck wörtlich und damit sehr ernst.

Weshalb ein Ostwind? Weil Ägypten südwestlich von Palästina liegt. Und für Raschi ist es klar, dass ein Wind, den G"tt schickt, aus dem Gebiet Palästinas kommen muss, also aus dem Heiligen Land.
Raschi versteht an dieser Stelle sogar den Pharao. Der Pharao denkt sich nach Raschi nämlich, dass die Jisraeliten bisher immer den Opferdienst für ihren G"tt verlangt haben. Aber Kinder opfern nicht, sondern nur Männer. Und deshalb ist es aus Sicht des Pharao durchaus normal, wenn er diese Einschränkung macht.
Raschi fragt, warum ausgerechnet Finsternis eine Plage war. Mithilfe des Midrasch gibt er eine Antwort: Weil es unter den Jisraeliten einige gab, die nicht aus Ägypten ausziehen wollten, ließ G"tt diese Leute genau in dieser Finsternis sterben, so dass auf der anderen Seite die Ägypter es nicht sehen konnten. Sonst hätten die Ägypter ja sagen können: Seht, die werden auch geschlagen.
Pharaos Versuch bei den letzten Zusammentreffen, einen Kompromiss auszuhandeln, schlägt fehl. Es gibt auch keinen Kompromiss, bei dem der Pharao sein Gesicht wahren könnte. Denn es geht nach diesem Text um die Trennung zweier Völker bzw. um die Etablierung des Volkes Jisrael. Und die kann nur kompromisslos durchgehalten werden. Insofern läuft nun alles auf den schlimmsten auszudenkenden Fall hinaus: Die Plage, die den Riss zwischen Ägypten und Jisrael deutlich macht, die Schlagung der Erstgeburt
Nach Raschi sagt das Mosche, als er noch vor Pharao stand, also bevor sie endgültig voneinander gegangen sind. Denn oben heißt es ja noch: Ich werde mich nicht mehr sehen lassen.
Raschi weist darauf hin, dass der hebräische Ausdruck nicht bedeutet: Genau um Mitternacht, sondern: Etwa um Mitternacht, vielleicht etwas davor, vielleicht etwas danach. Warum? Die Astrologen des Pharao könnten sich bei der Vorausbestimmung der Zukunft irren, und dann würden sie Mosche als einen Lügner bezeichnen.
Warum wurden auch die Erstgeborenen der Mägde geschlagen? Raschis Antwort: Weil auch sie die Jisraeliten unterdrückten und sich an ihrem Leid erfreuten.

Offensichtlich treibt Raschi die Frage um, weshalb Menschen für etwas bestraft werden, was sie eventuell nicht gemacht haben. Daher unterstellt er auch den einfachen Ägyptern, dass auch sie Freude daran hatten, dass andere leiden mussten. Ein Phänomen übrigens, das bis in die neueste Zeiten hinein zu beobachten ist: Nicht nur die Mächtigen unterdrücken Minderheiten, sondern auch die einfachen Leute, sofern sie nicht zur Minderheit gehören, erfreuen sich, wenn andere unterdrückt werden.

Raschi betont ganz deutlich, dass G"tt nicht nur einen Unterschied setzt zwischen Ägypten und Jisrael, sondern beide Völker auch trennt. Das ist das Grundanliegen der gesamten Plagenerzählung: Es geht um die Trennung Jisraels von Ägypten, die wesentliche Voraussetzung dafür, dass Jisrael ein eigenes Volk werden kann.
Nach Raschi kommen aber nicht die Diener des Pharao, sondern der Pharao selbst. Und dann ist es ein Beweis für die "Ehre der Regierung" (das ist ein Ausdruck, der bedeutet, dass man jedweder Regierung Ehre erweisen muss, da man vom Wohl der Regierung abhängig ist). Denn es hieß vorher nicht: "Und dann wirst du, Pharao, zu mir angelaufen kommen und zu mir sagen..." Das wäre der Regierung keine Ehre erwiesen.
Raschi: Aharon erhält hier eine besondere Ehre, weil er beim ersten Gebot ebenfalls miterwähnt wird.
Raschi hat schon zu Beginn der Tora (zu Gen 1,1) darauf hingewiesen, dass die Tora eigentlich mit Ex 12,1 beginnen müsste, denn hier wird von G"tt das erste Gebot für Jisrael an Mosche und Aharon formuliert.
Im Hebräischen heißt es wörtlich: "Dieser Neumond..." Für Raschi steckt nicht nur dahinter, dass dieser Monat als besonderer bezeichnet wird, sondern auch, dass G"tt Mosche allererst lehrt, was ein Neumond ist (denn den zu bestimmen, ist eine halachische Kategorie und muss deshalb von G"tt erst mitgeteilt werden): G"tt nimmt also Mosche und zeigt ihm den Neumond und sagt ihm: Immer wenn sich der Mond wieder erneuert, musst du für dich einen Neumond rechnen.