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copyright 2011 Hanna Liss u. Bruno Landthaler
(23) Sara war 127 Jahre alt. So alt wurde Sara. Dann starb sie in Kiryat-Arba, dem heutigen Hebron, im Land Kenaan. Und Avraham trauerte um seine Frau Sara und beweinte sie sehr, denn er hatte sie sehr geliebt.
Dann ging er zu den Söhnen Chets und sagte ihnen: „Meine Frau und ich haben bei euch immer als Fremde gewohnt, und ihr habt mich hier wohnen lassen. Es wäre schön, wenn ihr mir nun, da Sara gestorben ist, ein kleines Stück Land überlassen könntet, damit ich Sara begraben kann.“
Da antworteten die Söhne Chets: „Hör uns in dieser Sache an! Du bist ein von G"tt ganz besonders Begnadeter. Und deshalb und weil wir dich sehr respektieren, erlauben wir dir, deine Tote in einem unserer besten Grabstätten zu begraben. Niemand von uns wird dir das verwehren.“
Da stand Avraham auf, verneigte sich vor den Söhnen Chets und sagte ihnen in einem feierlichen Ton: „Ich schätze euer Angebot sehr! Aber wenn ihr wollt, dass ich meine Frau beerdige, dann wirkt doch auf Efron ein, dass er mir die Höhle von Machpela gibt. Ich werde den vollen Preis dafür bezahlen.“
Da Efron selbst anwesend war, erhob er sich und sagte zu Avraham: „Aber Avraham, nicht doch! Hör mich an, wir wollen es folgendermaßen machen: Ich schenke dir die Höhle mitsamt dem Feld, nimm die Höhle und begrabe deine Frau darin.“
Da stand wiederum Avraham auf, verneigte sich und begann zu reden: „Lieber Efron, hör mich an, alle ringsum sollen mich hören: Ich zahle dir den vollen Preis für das Feld, nimm das Geld von mir, und ich werde meine Tote begraben.“
Da antwortete Efron: „Mein Herr, hör mich an! Ein Stück Land, das einen Wert hat von vierhundert Schekel Silber, was hat das schon für einen Wert zwischen uns? Begrab nur deine Tote.“
Da endlich war Avraham zufrieden, denn er verstand richtig, dass Efron ihm nun das Stück Feld mit der Höhle verkaufen wollte. Avraham zahlte den Preis für das Feld und die Höhle, die sich auf diesem Feld befand, das Stück Erde von Machpela. Und so wurde das erste Stück Land dem Avraham zum Eigentum.
Und Avraham ging hin und begrub seine Frau Sara in der Höhle auf dem Feld von Machpela, im Land Kenaan, bei Hebron.
(24) Als nun auch Avraham alt und betagt war - denn Avraham wurde vom Ewigen gesegnet -, da sagte er zu seinem ältesten Diener: „Mein Lieber, du musst mir etwas hoch und heilig versprechen! Dazu lege deine Hand an meine Hüfte und dann schwöre mir beim Ewigen: dass du darauf achtest, dass mein Sohn Jizchaq keine Frau aus den umliegenden Völkern bekommt. Vielmehr sollst du selbst in das Land gehen, wo ich herkomme, und von dort sollst du meinem Sohn Jizchaq eine Frau nehmen.“
Da sagte der Diener: „Ich möchte gerne tun, was du sagst. Was ist aber, wenn die Frau, die ich für deinen Sohn finde, nicht mitkommen möchte? Soll ich dann Jizchaq in deine alte Heimat zurückbringen?“
„Auf keinen Fall,“ antwortete Avraham, „es wird sich ein Weg finden, der Ewige, der mich aus meiner alten Heimat hierhergeführt hat, er wird es auch richten können, dass du für meinen Sohn eine Frau nehmen und sie hierher führen kannst. Sollte allerdings die Frau, die du gefunden haben wirst, nicht mitkommen wollen, so bist du von deinem Schwur wieder frei. Aber merk dir eins: Meinen Sohn führe nicht in meine alte Heimat zurück!“ Da legte der Diener zum Zeichen des Schwurs seine Hand an die Hüfte von Avraham und schwor ihm, was Avraham verlangte.
Kurze Zeit darauf wurde der Diener mit zehn Kamelen ausgestattet, und allerlei Kostbarkeiten wurden ihm mitgegeben. Dann machte er sich, so reich bepackt, auf und zog nach Mesopotamien, in die alte Heimat seines Herrn.
Nach einer langen Reise kam er endlich an. Er ließ die Kamele bei einem Wasserbrunnen ausruhen. Es war Abend, und es war die Zeit, da die jungen Mädchen aus der Stadt herauskamen, um Wasser zu schöpfen.
Da bat er: „Ach Ewiger! Denk an meinen Herrn Avraham und lass meine Aufgabe hier glücklich gelingen und eine junge Frau finden für Jizchaq. Ich werde jetzt zu einem der Mädchen, die aus der Stadt kommen, sagen: gib mir doch etwas zu trinken. Und wenn dieses Mädchen darauf antwortet: Nimm nur, ich will auch deine Kamele tränken, dann möchte ich davon ausgehen, dass du, Ewiger, dieses Mädchen für Jizchaq bestimmt hast.“
Es dauerte nicht lange, da trat ein Mädchen an den Brunnen. Das Mädchen war sehr schön und anmutig. Es hatte einen Wasserkrug auf der Schulter und ging zum Brunnen hin und füllte ihren Krug. Da lief der Diener des Avraham hin und bat das Mädchen: „Gib mir doch etwas zu trinken, ich bin so durstig.“ Sofort nahm das Mädchen den Krug von der Schulter und reichte dem Mann zu trinken. Und als dieser getrunken hatte, sagte sie noch: „Auch deinen Kamelen will ich zu trinken geben.“ Und da leerte sie ihren Krug in die Tränkrinne aus, lief noch einmal zum Brunnen, um erneut Wasser zu schöpfen, und brachte so Wasser für alle Kamele des Dieners.
Darüber war der Diener erstaunt, aber er wartete noch ab, ob das das Mädchen war, das er für Jizchaq nach Kenaan mitnehmen sollte. Dennoch suchte er in seinem Gepäck schöne Ringe und Armreife für das Mädchen und fragte es: „Wer bist du? Und wer ist dein Vater, deine Mutter? Meinst du, dass ihr genug Platz in eurem Haus habt, damit ich dort übernachten könnte?“
Das Mädchen antwortete: „Mein Vater ist Bethuel, der Sohn von Milka und Nachor, und ich bin Rivqa (damit wusste er sofort, dass er zu Verwandten seines Herrn Avraham gekommen war). Ich denke schon, dass wir genug Platz haben, auch Stroh und Futter ist genügend vorhanden. Da verneigte sich der Mann und warf sich vor dem Ewigen nieder und sagte: „Gepriesen, Ewiger, du G"tt meines Herrn Avraham! Du hast ihm deine Treue nicht genommen und hast ihm beigestanden.“ Das Mädchen lief aber nach Hause und erzählte alles, was sie erlebt hatte.
Rivqa hatte einen Bruder, der Lavan hieß. Als nun Lavan die Geschichte hörte und sah, welche Armreife und Ringe seine Schwester plötzlich trug, da rannte er hinaus zum Brunnen und sagte zu dem fremden Mann:
„Komm nur herein, du Gesegneter des Ewigen! Warum stehst du noch draußen. Ich habe bereits aufgeräumt und für dich Ordnung gemacht, so dass nun auch genug Platz für deine Kamele da ist.“
Da ging der Mann mit Lavan mit. Man sattelte die Kamele ab, fütterte die Kamele und brachte Wasser, damit die Reiter sich frisch machen konnten. Nachdem sich der Mann hergerichtet hatte, bekam er schließlich auch etwas zu essen aufgetischt. Da sagte der Mann aber: „Ehe ich zu essen beginne, möchte ich mein Herzensanliegen vorbringen.“ Und Lavan forderte ihn auf zu reden. Da sagte der Mann:
„Ich bin ein Diener Avrahams. Der Ewige hat meinen Herrn Avraham reich gesegnet, so dass er hoch angesehen ist und von allem genug hat: von Schafen, Rindern, von Silber und Gold, auch von Dienern und sonstigen Bediensteten. Auch seine Frau Sara hat ihm noch in hohem Alter einen Sohn geschenkt. Dem gab er alles, was er hatte. Nur mich hat er schwören lassen, dass ich seinem Sohn keine Frau aus der Umgebung nehmen soll, vielmehr soll ich in seine alte Heimat zurückkehren, um dort nach einer Frau Ausschau zu halten. Und so tat ich. Ich reiste hierher und dachte mir und betete zu G"tt: Das Mädchen, das mir aus ihrem Krug zu trinken gibt und auch meinen Kamelen, das soll die Frau für Avrahams Sohn sein. Und die erste, die kam, war Rivqa. Sie gab mir zu trinken, und ohne zu fragen auch meinen Kamelen. Darum beschenkte ich Rivqa vor Freude sofort mit Armreifen und Ringen. Nun frage ich euch, ob ihr meinem Herrn Avraham soviel Liebe erweisen könnt, dass ihr Rivqa seinem Sohn zur Frau gebt. Sagt es mir!“
Nachdem der Diener Avrahams geendet hatte, schauten sich Lavan und Bethuel, der Vater von Rivqa, einander an und sagten: „Wie du es geschildert hast, ist die ganze Sache vom Ewigen ausgegangen, deshalb können wir nichts sagen. Hier ist Rivqa, sie steht vor dir. Nimm sie mit dir mit und zieh hin, damit sie die Frau des Sohnes von Avraham werden kann.“
Als der Mann das hörte, warf er sich auf den Boden vor den Ewigen. Er holte aus seinem Gepäck goldenes Geschmeide und wunderbare Gewänder hervor und beschenkte damit Rivqa. Aber auch ihr Bruder Lavan und ihre Mutter beschenkte er mit allerlei Früchten, die er aus seiner Heimat mitgebracht hatte. Dann aßen und tranken sie gemeinsam, und der Diener blieb mit seinem Tross und übernachtete dort.
Am andern Morgen stand er schon früh auf und bat seine Gastgeber: „Entlasst mich nun, ich muss zurück zu meinem Herrn.“ Da wandten Lavan und seine Mutter ein: „Wir denken, dass es doch besser wäre, wenn Rivqa nicht sofort mit dir mitginge. Lass sie doch noch ein Jahr hier, danach kann sie mit dir ja mitgehen.“
Da sagte der Mann nur: „Haltet mich nicht auf. Der Ewige hat meinen bisherigen Weg glücken lassen. So will ich auch jetzt aufbrechen und zu meinem Herrn zurückkehren.“ Lavan und seine Mutter lenkten ein: „Lass uns Rivqa fragen.“ Da holten sie Rivqa und fragten sie, ob sie denn jetzt schon mit dem Mann verreisen möchte. Da sagte sie nur: „Ja, ich will und ich werde!“
Da ließen sie Rivqa gehen und gaben ihr noch Dienerinnen mit und wünschten ihr für ihr weiteres Leben alles Gute. Und Rivqa und der Mann machten sich auf und zogen fort.
Jizchaq kam von der Arbeit nach Hause und ging am Abend hinaus, um auf dem Feld zu beten. Als er die Augen hob, sah er in einiger Entfernung Kamele kommen.
Auch Rivqa spähte hinaus und sah Jizchaq weit entfernt stehen. Da fragte sie ihren Begleiter, da sie von dem Anblick ganz angetan war: „Wer ist der Mann dort vorne?“ „Das ist mein Herr, der Sohn von Avraham,“ antwortete dieser. Sofort nahm sie, weil das damals Sitte war, einen Schleier und verhüllte sich damit.
Als der Begleiter mit Rivqa angekommen waren, erzählte der Diener alles ganz genau. Da nahm Jizchaq Rivqa und führte sie in das Zelt seiner Mutter. Und es dauerte nicht lange, da nahm er Rivqa zur Frau, und er gewann sie sehr lieb.
(25) Aber Avraham nahm sich nach dem Tod seiner Frau Sara nochmals eine Frau, die hieß Ketura. Ketura gebar im Laufe der Zeit mehrere Söhne, nämlich Simran, Jokschan, Medan, Midian, Jischbak und Schuach. Aber Avraham gab alles, was er hatte, seinem Sohn Jizchaq, seinen Söhnen, die er mit Ketura hatte, gab er dagegen nichts.
Avraham wurde 175 Jahre alt. Dann starb er in diesem glücklichen Alter, alt und lebenssatt. Seine Söhne Jizchaq und Jischmael begruben ihn in der Höhle von Machpela, dort, wo bereits Sara begraben lag.
Nach dem Tod Avrahams segnete G"tt auch den Jizchaq.
Auch Jischmael wurde sehr alt, er starb mit 137 Jahren.
...
Fortsetzung Paraschat Toldot
Gen 23,1 - 25,18, Haftara: 1 Kön 1,1-31
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In dieser Parascha sterben Sara und (am Ende) Avraham. Damit ist die Geschichte von dem ersten Stammelternpaar beendet und es beginnt die Geschichte von Jizchaq und Rivqa (Isaak und Rebekka), dem zweiten Stammelternpaar. Diese Geschichte ist allerdings nicht allzu lang, da in der nächsten Parascha bereits Jaaqov (und Esaw, Jakov und Esau) geboren wird und damit eigentlich die Geschichte Jaaqovs beginnt.
Interessant in dieser Parascha ist, dass Jizchaq - anders als Jischmael - nicht einfach eine Frau aus der Umgebung nehmen kann. Vielmehr muss sich der Diener Avrahams aufmachen, um eine Frau aus der ehemaligen Heimat Avrahams und Saras zu suchen. Offensichtlich ist es also sehr wichtig, welche Frauen die Stammväter haben. Das wird sich später übrigens noch einmal wiederholen, wenn Jaaqov wieder in die alte Heimat Avrahams reist, um sich seine Frauen zu suchen (Rachel und Lea). Und es war auch bei Avraham schon wichtig: Avraham hatte ja schon einen Sohn (von Hagar, einer Ägypterin). Das reichte aber nicht aus: es musste ein Sohn auch von Sara sein, damit Gott mit Avraham einen Bund (einen Vertrag) schließen konnte.
A) Allgemeine Fragen zur Parascha
Wer starb früher: Sara oder Avraham
Wie alt wurde Sara?
Was ist Machpela?
Wer sollte für Jizchaq eine Frau suchen? Wo sollte er die Frau suchen, und vor allem wo nicht?
Wer ist Lavan?
Wie heißt die Frau von Jizchaq?
Wieviele Frauen hatte Avraham
Wieviele Söhne?
Wer begrub Avraham und wo?
B) Fragen für Fortgeschrittene
In dieser Parascha geht es um die Heirat Jizchaqs. In der letzten Parascha ging es um dessen Halbbruder Jischmael: Worin unterscheiden sich beide Brüder, wenn du an die Frauen der beiden denkst?
Weshalb beharrt Avraham darauf, das Land für die Grabstätte von Efron zu kaufen?
Weshalb muss der Diener Avrahams nach Mesopotamien, der alten Heimat Avrahams, reisen, um eine Frau für Jizchaq zu suchen?
Weshalb hat Avraham alle seine Söhne - außer Jizchaq - enterbt und ihnen nichts gegeben?
Im Text sind einige Wörter/Sätze unterstrichen. Wenn man mit der Maus darüber geht, dann macht sich rechts ein Fenster auf mit einem Kommentar.
Manchmal sind das nur erläuternde Sätze, oft aber versuchen wir hier, das wiederzugeben, was Raschi zu der entsprechenden Stelle kommentiert hat. Dadurch bekommt man eine Hilfe an die Hand, in welch unterschiedlicher Weise die Tora interpretiert werden kann.
Wir nehmen deshalb Raschi, weil er für die jüdische Auslegung der Bibel sehr wichtig geworden ist. Raschi hat es verstanden, die vielen Auslegungen, die es zu seiner Zeit in den Midraschim gab, zu bündeln und daraus sozusagen das Wichtigste zu betonen. Raschi hilft heute vor allem darin, uns zu lehren, den Text sehr genau zu lesen und immer wieder Fragen an den Text zu stellen. Für Raschi war der Text nie einfach nur da und schon gar nicht dafür da, ihn einfach "herunterzubeten".
Natürlich konnten wir hier den Raschi-Kommentar nicht vollständig wiedergeben, auch nicht wörtlich. Aber wir wollten wenigstens einen Eindruck verschaffen, in der HOffnung, auch den Bibeltext verständlicher werden zu lassen
Da wir hier noch eine Baustelle haben und wir Woche für Woche uns voranarbeiten, sind natürlich noch nicht alle Stellen kommentiert. Das werdet Ihr aber ganz einfach daran merken, dass im Text nichts mehr unterstrichen ist.