| Bereschit |
| Noach |
| Lech Lecha |
| Wajera |
| Chajje Sara |
| Toledot |
| Wajeze |
| Wajischlach |
| Wajeschev |
| Miqez |
| Wajigasch |
| Wajechi |
|
Bereschit
|
|
Schemot
|
|
Wajiqra
|
|
Bemidbar
|
|
Devarim
|
copyright 2011 Hanna Liss u. Bruno Landthaler
(18) Eines Tages saß Avraham während der Mittagshitze im Eingang seines Zeltes, das er in Mamre aufgeschlagen hatte. Da zeigte sich ihm der Ewige. Und er schaute auf und sah vor sich drei Männer stehen. Da stand er auf, ging den Männern entgegen und warf sich vor ihnen auf die Erde und sagte:
„Herr, es wäre sehr schön, wenn ihr mir geneigt wäret, und nicht an mir und meinen Zelten vorbeiziehen würdet. Lasst mir euch etwas Wasser bringen, damit ihr eure Füße waschen könnt. Dann legt euch doch nieder unter dem Baum, damit ihr euch von der Tageshitze etwas ausruhen könnt. Ich will schnell etwas Brot bringen, damit ihr euch stärken könnt. Danach könnt ihr ja wieder aufbrechen und weiterziehen.“ Und einer der drei Männer sagte zu Avraham: „In Ordnung, wir wollen hierbleiben und ein wenig rasten.“
Da ging Avraham schnell zum Zelt von Sara und sagte ihr ganz aufgeregt: „Hol schnell feines Mehl und backe einen Kuchen, wir haben Besuch bekommen.“ Danach lief er gleich weiter, wo die Tiere weideten und suchte sich ein junges, schönes Rind aus und gab es Jischmael mit einigen Anweisungen, wie er das Rind braten solle.
Nachdem das Rind fertig gebraten war, brachte es Avraham seinen Besuchern und stellte dazu auch noch etwas Milch hin. Er selbst aß nichts davon, sondern hielt sich etwas abseits und beobachtete seine Besucher, wie sie aßen.
Während sie das Rindfleisch aßen, fragten sie Avraham: „Wo ist eigentlich deine Frau, die Sara?“ Avraham antwortete ihnen: „Dahinten im Zelt.“ Dann sagte einer von ihnen: „In etwa einem Jahr werde ich wieder bei dir und deiner Frau vorbeischauen. Dann werdet ihr beide nicht mehr allein sein, sondern ein kleines Kind haben, einen Sohn.“
Da sich Sara nicht in ihrem Zelt, sondern in der Nähe der Besucher aufhielt, konnte sie das hören. Und weil Sara wusste, dass sie und ihr Mann schon alt waren und sie schon lange keine Tage mehr hatte, lachte Sara und sagte sich: „Köstlich, ich bin doch schon so alt, soll ich etwa noch einmal mit meinem Mann ein paar besonders schöne Stunden verbringen? Schließlich ist auch Avraham nicht mehr der Jüngste.“
Da sprach der Ewige zu Avraham: „Warum lacht Sara darüber, dass sie noch einmal gebären soll? Sollte es dem Ewigen etwa zu schwer sein, so ein Versprechen zu halten? Deshalb sage ich noch einmal: In etwa einem Jahr werde ich wieder kommen, und da wird Sara einen Sohn geboren haben.“
Sara war es ganz peinlich, dass sie den Besuch ausgelacht hatte, deshalb leugnete sie alles und sagte nur: „Nein, ich habe doch nicht gelacht.“ Aber der Besucher sagte nur: „Doch, du hast gelacht, ich habe es gehört.“
Die drei Männer aßen fertig und brachen, nachdem sie sich etwas ausgeruht hatten, auf. Und Avraham ging mit ihnen noch ein Stück Wegs, um sie zu begleiten.
Da sagte der Ewige zu sich: „Soll ich Avraham etwa verheimlichen, was ich vorhabe? Schließlich habe ich ihn Avraham genannt, den Vater vieler Völker, soll er da nicht wissen, was ich plane?“ Deshalb sagte der Ewige zu Avraham: „Ein Geschrei über Sedom und Amorrha habe ich gehört; und Klagen über diese Städte. Dass sie ganz Fürchterliches tun und nur böse sind. Ich will hingehen und sehen, was es mit den Klagen auf sich hat. Ich will es wissen.“
Da gingen also die Männer von Avrahams Zelt fort und gingen in Richtung Sedom. Und Avraham sah es, und er wusste, was die Männer mit Sedom vorhatten. Deshalb sagte er zum Ewigen: „Wirst du etwa die Stadt Sedom vernichten, nur weil einige Leute dort sehr böse sind? Aber was ist dann mit denen, die nichts getan haben? Wirst du die auch bestrafen wollen? Vielleicht sind in der Stadt 50 Menschen, die Gutes tun. Willst du die auch sterben lassen? Oder willst du nicht viel lieber um dieser 50 Gerechten willen die Stadt retten? Das kann doch nicht sein, dass der Herr über die Welt ungerecht handelt!“
Da sagte der Ewige zu Avraham: „Du hast recht. Und deshalb möchte ich die Stadt schonen, wenn ich darin 50 Gerechte finde. Dann soll die Stadt nicht vernichtet werden.“
Aber Avraham war noch nicht zufrieden, er begann wieder mit dem Ewigen zu reden: „Aber was ist, wenn es nicht 50 Gerechte sind, die du in der Stadt findest, sondern gerade mal fünf weniger. Wirst du dann um dieser fehlenden Fünf willen die ganze Stadt vernichten?“
Und der Ewige antwortete: „Ich werde die Stadt auch dann nicht vernichten, wenn sich nur 45 Gerechte in ihr befinden.“
Und so redete Avraham mit dem Ewigen immer weiter, bis er schließlich sagte: „Mein Herr, nur noch ein einziges Mal, nur das eine Mal noch möchte ich dich belästigen, dann schweige ich: Und willst du die Stadt nicht auch schonen, wenn du nur 10 Gerechte in ihr findest?“
Der Ewige antwortete: „Auch um der 10 Gerechten willen werde ich die Stadt schonen und sie nicht vernichten.“ Daraufhin ging der Ewige fort, und auch Avraham ging zu seinen Zelten zurück.
(19) Am Abend desselben Tages saß Lot am Tor der Stadt Sedom. Da kamen zwei Boten an. Und als Lot die beiden sah, rannte er ihnen entgegen, warf sich vor ihnen nieder und sagte zu ihnen: „Hört zu, meine Herren, übernachtet diese Nacht bei mir. Macht euch bei mir frisch, morgen früh könnt ihr dann weiterziehen.“ Aber die Beiden wollten nicht. Erst als Lot sie weiter bedrängte, bei ihm die Nacht zu verbringen, gaben sie nach und kehrten bei ihm daheim ein.
Lot machte ihnen Ordentliches zu essen, damit sie sich stärken konnten. Aber kaum waren sie mit dem Essen fertig, da klopfte es draußen, und Männer aus allen Ecken der Stadt riefen zu Lot: „Lot, wo sind die Männer, die heute nacht zu dir gekommen sind? Bring sie heraus, denn wir wollen unsern Spaß mit ihnen haben.“ Da Lot ahnte, dass das nichts Gutes heißen konnte, ging er vor die Tür und versuchte, die Leute, die sich um sein Haus geschart hatten, zu beruhigen. Er rief ihnen zu:
„Meine lieben Brüder! Lasst meine Gäste in Ruhe, sie genießen meinen Schutz und ich lasse nicht zu, dass ihnen etwas zustößt.“ Aber die Männer bedrängten Lot immer mehr und riefen immer wieder nach Lots Gästen. Da sagte Lot zu ihnen: „Wenn ihr unbedingt euren Spaß haben wollt, bitte schön. Ihr wisst, dass ich zwei Töchter habe, die sind noch unverheiratet. Die könnt ihr haben. Aber meine Gäste niemals!“ Aber die Männer waren nicht bereit, auf diesen Vorschlag einzugehen, sie bedrohten Lot noch mehr und drängten sich schon sehr eng um ihn.
In letzter Sekunde wurde die Tür von hinten geöffnet und Lot ins Haus gezogen. Es waren die Gäste, die ihm in seiner Bedrängnis halfen. Da fragten sie Lot, ob denn noch mehrere Leute im Haus seien, und forderten ihn auf, alle die Seinen so schnell wie möglich aus dem Haus und fort aus Sedom zu schaffen.
„Denn,“ so sagte einer von ihnen zu Lot, „ich will die Stadt Sedom vernichten. Es wurden schon so viele Klagen beim Ewigen wegen dieser Stadt geführt, dass es jetzt endlich reicht.“
Lot versammelte alle seine Verwandten, die in seinem Haus wohnten, um sich und berichtete ihnen davon, dass die Stadt Sedom vernichtet werden solle, und dass nun alle schleunigst die Stadt verlassen sollen. Allein die beiden Verlobten der Töchter mochten Lot nicht recht glauben.
Als die beiden Gäste sahen, dass die beiden Verlobten voller Zweifel waren, was Lot sagte, nahm einer von ihnen Lot, seine Frau und die beiden Töchter und brachte sie durch eine Hintertür hinaus ins Freie und weiter aus der Stadt hinaus, bis sie irgendwo auf freiem Feld, wo sie niemand mehr sehen konnte, stehen blieben. Dort sagte er:
„Nun aber schnell. Rennt davon, rettet euch ins Gebirge. Schaut euch nicht um, rennt immer weiter.“ Aber Lot erwiderte: „Nicht ins Gebirge. Lass uns in das nächste Städtchen ziehen, dort wollen wir uns niederlassen. Dort wohnen nur ein paar Leute, dieses Städtchen kannst du in Ruhe lassen. Dann sind wir auch gerettet.“ Und der Bote war damit einverstanden. Lot, seine Frau und seine beiden Töchter flohen in die kleine Stadt Zoar.
Und der Ewige ließ auf Sedom und Amorrha Schwefel und Feuer regnen, dass alle Häuser, alle Felder verbrannten und nichts von den Städten übrigblieb.
Lot und seine Familie flohen vor den Feuerstürmen und retteten sich in die kleine Stadt. Aber unterwegs drehte sich die Frau von Lot doch noch einmal um, um zu sehen, was aus Sedom wird, da erstarrte sie und wurde zur Salzsäule.
Avraham hörte das Feuerbrausen und ging hinaus, um nach Sedom und Gomorrha hinabzusehen. Da sah er das ganze Jordantal, wie es in Rauch stand, Feuer schlug meterhoch, Häuser standen in Flammen, Sträucher, Wälder, alles brannte nieder, alle Städte im Jordantal.
Lot blieb aber nicht mit seinen beiden Töchtern in dem Städtchen Zoar, sondern zog mit ihnen hinauf ins Gebirge, weit weg von den Menschen, um in Höhlen ganz einsam zu leben. Das war den beiden Töchtern natürlich nicht recht. Denn sie waren noch jung und wollten etwas erleben und nicht zurückgezogen in Höhlen hausen. Außerdem hatten sie ihre Verlobten verloren und träumten auch davon, einen Mann zu heiraten und Kinder zu bekommen.
Aber so sehr sie ihren Vater auch baten, wieder zu den Menschen zurückzukehren, es half nichts, ihr Vater blieb stur und im Gebirge. Deshalb fassten die beiden Töchter in ihrer Verzweiflung einen schrecklichen Plan. Sie sagten sich, dass sie zwar keinen Mann hier oben im Gebirge heiraten könnten, dass sie aber sehr wohl Kinder bekommen könnten, nämlich von ihrem eigenen Vater! Und so taten sie es. Sie machten ihren Vater betrunken, damit er von all dem, was sie sich vorgenommen hatten, nichts mitbekam, und legten sich heimlich zu ihrem Vater. Und so wurden beide Töchter von ihrem eigenen Vater schwanger. Sie gebaren ihre Kinder, und das Kind der älteren Tochter wurde Moav genannt, das der jüngeren Ben-Ammi. Beide Kinder wurden die Väter von Völkern (nämlich der Moabiter und der Ammoniter).
(20) Da Avraham noch immer nicht sesshaft geworden war, machte er sich eines Tages wieder einmal auf, um weiter nach Süden zu wandern. Dort ließ er sich in der Nähe der Stadt Kadesch nieder und hielt sich eine Weile auch in Gerar auf. Da Avraham aber in dieser Gegend fremd war, erzählte er von Sara lieber nicht, dass sie seine Frau, sondern dass sie seine Schwester war.
Avimelech, der König von Gerar, hatte bei einem Ausritt Sara gesehen. Und er fand sie sehr schön, weshalb er zu Sara schickte und sie bitten ließ, zu ihm zu kommen. Er fand dabei nichts weiter, denn er hatte erfahren, dass Sara die Schwester von Avraham war. Und Sara ging auch zu Avimelech.
Aber G“tt sah das nicht sehr gern. Deshalb zeigte er sich dem Avimelech in einem Traum, in dem er ihm sagte: „Du musst wegen dieser Frau sterben. Denn sie ist die Frau eines Mannes, deshalb kannst du sie dir nicht einfach nehmen.“ Da schrie Avimelech auf: „Haben denn nicht beide gesagt, sie seien Geschwister? Ich wusste davon doch nichts, weshalb ich mir dabei nichts dachte, Sara zu mir zu nehmen.“ Und G“tt antwortete ihm im Traum: „Auch ich weiß, dass du unschuldig bist. Deshalb warne ich dich ja, bevor du sie dir zur Frau nimmst. Nun gib die Frau ihrem Mann zurück. Er ist ein großer Prophet, und vielleicht betet er ja auch für dich, so dass du am Leben bleiben kannst. Aber denk daran: Gibst du die Frau nicht zurück, so wirst du und all die Deinen sterben.“
Früh am Morgen stand Avimelech auf, rief alle seine Bediensteten und teilte ihnen alles mit, was er im Traum erfahren hatte. Die Leute gerieten natürlich ordentlich in Angst und Schrecken. Da rief Avimelech den Avraham zu sich und sagte zu ihm:
„Was hast du uns nur angetan? Was habe ich dir getan, dass du mich in eine so missliche Lage bringst?“ Da antwortete Avraham: „Ich dachte, dass das hier ein Ort sei, an dem man nur Schlechtes tut. Deshalb hatte ich um mich Angst, dass man mich um meiner Frau willen töten würde. Deshalb habe ich meiner lieben Frau gesagt, dass sie überall, wo wir hinkommen sollten, sagen soll, dass sie meine Schwester sei. Außerdem ist Sara tatsächlich meine Halbschwester.“
Daraufhin war Avimelech nicht mehr richtig böse. Er nahm Schafe, Rinder und Bedienstete und gab sie Avraham als Geschenk. Und er sagte zu Avraham: „Schau nur, mein Land liegt vor dir. Dort, wo es dir gefällt, dort kannst du dich einfach niederlassen.“ Und zu Sara sagte er: „Hier hast du tausend Silberlinge. Betrachte es als Schmerzensgeld.“
Avraham aber betete zu G“tt. Das war nötig, denn es stellte sich heraus, dass G“tt alle Frauen, die im Reich des Königs Avimelech lebten, mit Unfruchtbarkeit bestraft wurden, weil Avimelech Sara zu sich genommen hatte. Also betete Avraham zu G“tt, damit die Frauen wieder gesund würden und wieder schwanger werden konnten.
(21) Sara wurde ja von G“tt versprochen, dass sie noch ein Kind bekommen würde, obwohl sie eigentlich als unfruchtbar galt. Und in der Tat dauerte es nicht sehr lange, als sie merkte, dass sie schwanger war.
Als es soweit war, gebar sie ihrem alten Avraham noch einen Sohn. Genau zu der Zeit, die G“tt angekündigt hatte. Und Avraham nannte seinen Sohn Jizchaq. Und wie es bei Avraham üblich geworden war, beschnitt er seinen Sohn Jizchaq am achten Tag nach dessen Geburt, genauso, wie es ihm G“tt geboten hatte.
Avraham war genau hundert Jahre alt, als ihm Jizchaq geboren wurde. Und Sara sagte sich: „Viele werden sich mit mir freuen, wenn sie hören, was mir G“tt getan hat. Alle, die davon erfahren, werden mit mir lachen.“
Das Kind wuchs heran, es wurde mit zwei Jahren abgestillt, und Avraham bereitete ein großes Fest vor für den Tag, da Jizchaq abgestillt sein würde. So war es damals Sitte.
Während des Festes musste allerdings Sara sehen, wie Jischmael, der Sohn ihrer Bediensteten Hagar, ihren eigenen Sohn, Jizchaq, ärgerte. Das machte Sara sehr wütend, weshalb sie zu Avraham ging und ihm sagte:
„Jag die Hagar mitsamt ihrem Sohn davon. Ich kann es nicht leiden, wenn Jischmael meinen Sohn zum Besten hält.“
Aber Avraham war darüber sehr traurig. Denn Jischmael war schließlich auch sein Sohn und er wollte nicht, dass sein eigener Sohn fortgeschickt würde. Da sagte aber G“tt zu Avraham: „Mach dir keine Sorgen um Jischmael. Hör auf alles, was dir Sara sagt. Sie hat nämlich recht. Deine Kinder und Enkel und Urenkel, die zu einem großen Volk werden sollen, werden nämlich von Jizchaq abstammen, nicht von Jischmael. Trotzdem will ich auch die Kinder und Enkel und Urenkel von Jischmael zahlreich werden lassen.“
Da stand Avraham eines Morgens in der Frühe auf, nahm Brot und Wasser, gab es Hagar, legte alles auf ihre Schulter und schickte sie mitsamt dem Kind fort.
Und Hagar ging davon in die Wüste hinein, wo sie umherirrte, da sie nicht wusste, wohin sie gehen sollte. Es dauerte nicht sehr lange, da ging auch das Wasser, das ihr Avraham mitgegeben hatte, zu Ende. Verzweifelt warf sie ihr Kind unter irgendeinen Strauch und wandte sich von ihm ab. Denn sie wollte nicht mitansehen, wie ihr Kind würde sterben müssen. Und sie saß da, abseits, und schrie auf und weinte. Aber G“tt hörte die Stimme des Kindes, und ein Bote G“ttes rief Hagar von oben her und sagte zu ihr: „Was hast du, Hagar? Hab keine Angst, denn G“tt hat auf die Stimme deines Kindes gehört. Nimm also deinen Knaben und pass auf ihn auf, denn er soll zu einem großen Volk heranwachsen.“
Aber G“tt machte sie sehend, und plötzlich sah sie, gar nicht weit von ihr, einen Brunnen mit Wasser. Sie ging hin, füllte ihre Flasche mit Wasser und gab dem Kind zu trinken.
Und so wurde auch Jischmael gerettet. Er wuchs heran und wohnte in der Wüste. Als er alt genug war, schaute seine Mutter, dass er eine ägyptische Frau bekam.
...
(22) Nach einiger Zeit stellte G“tt Avraham auf die Probe. Er sagte zu ihm: „Avraham!“ Und Avraham antwortete: „Ja, hier bin ich. Was gibt es?“ Und G“tt sagte: „Nimm doch deinen Sohn, deinen einzigen, den, den du lieb hast, den Jizchaq, und geh los in das Land Moria. Dort bringe ihn mir auf den Berg hinauf, den ich dir sagen werde.“
Am andern Morgen stand Avraham in der Frühe auf, packte seinen Esel und nahm zwei Diener mit, und auch seinen Sohn Jizchaq. Er spaltete Holz für das Feuer und ging zu dem Ort, den ihm G“tt gesagt hatte. Nach drei Tagen Wanderung sah Avraham endlich den Ort von Weiten. Zu seinen Dienern sagte er: „Bleibt hier bei dem Esel zurück. Ich will mit dem Kind dorthin gehen, dort wollen wir uns (zum Gebet) niederwerfen und anschließend werden wir wieder zurückkommen.“
Avraham nahm das Holz für das Feuer, legte es auf seinen Sohn, nahm selbst das Messer, und so gingen die Beiden los. Da sagte Jizchaq zu seinem Vater: „Vater!“ Und der antwortete: „Ja, hier bin ich, mein Sohn!“ Und Jizchaq sagte weiter: „Hier ist das Holz für das Feuer, aber wo ist das Lamm für das Opfer?“ Und Avraham antwortete: „G“tt wird sich schon ein Lamm als Opfertier aussuchen, mein Sohn!“
Und so gingen sie weiter. Als sie an dem Ort ankamen, den G“tt dafür bestimmt hatte, begann Avraham sofort, einen Altar zu bauen und das Holz darauf zu schichten. Als er damit fertig war, nahm er seinen Sohn und band ihn über das Holz auf dem Altar fest. Und Avraham nahm das Messer, streckte seine Hand aus, um seinen Sohn zu schlachten, doch da rief plötzlich eine Stimme aus dem Himmel: „Avraham! Avraham!“ Und Avraham antwortete: „Ja, hier bin ich!“ Und die Stimme sprach weiter: „Lege nicht deine Hand an deinen Sohn. Tu ihm nichts. Das genügt. Jetzt habe ich gesehen, dass du mir traust. Denn du hättest sogar deinen einzigen Sohn für mich gegeben.“
Da hob Avraham seine Augen und sah hinter sich einen Widder. Der hatte sich mit seinen Hörnern im Dickicht verheddert und konnte nicht fliehen. Da ging Avraham hin, nahm den Widder und schlachtete ihn als Opfer.
Und Avraham nannte diesen Ort „G“tt wird sehen“.
Da rief ein zweites Mal ein Bote des Ewigen und sagte: „Dafür, dass du das getan hast, deinen Sohn, deinen einzigen, für mich gegeben hättest, dafür will ich dich segnen und deine Kinder und Enkel und Urenkel zahlreich machen gleich den Sternen am Himmel und gleich dem Sand am Meer. Und auch alle anderen Völker sollen durch dich gesegnet sein, dafür, dass du auf mich gehört und mir vertraut hast.“
Avraham und Jizchaq kehrten zu den Dienern zurück. Sie packten ihre Sachen und gingen wieder zurück nach Beersheva.
...
Fortsetzung Paraschat Chajje Sara
Gen 18,1 - 22,24, Haftara: 2 Kön 4,1-37
| Einleitung |
| Fragen |
| Blog |
Zu „G"tt“ und „der Ewige“: Beide Bezeichnungen meinen G"tt. In der Tora wird allerdings manchmal so, manchmal so geschrieben. Wobei hinter der Übersetzung „der Ewige“ der Name G"ttes steht, den wir Juden ja nicht aussprechen dürfen. Ich denke, dass es auch sehr wichtig ist, beide Bezeichnungen zu verwenden, damit unsere Kinder lernen, dass wir nicht nur „G"tt“ (oder gar einen „lieben G"tt“) haben, sondern dass wir sogar einen Namen G"ttes haben, den wir so sehr achten, dass wir ihn lieber nicht aussprechen. Die jüdische Tradition hat an beide Bezeichnungen übrigens eine wichtige Aussage angeknüpft: danach zeigt sich in „elohim“ (G"tt) der Gott der Gerechtigkeit (also auch der strenge G"tt!), im vierbuchstabigen Namen (der Ewige) dagegen das Erbarmen Gottes.
Zur Bindung Jizchaqs (im Deutschen oft und falsch als die „Opferung Issaks“ bezeichnet): Diese Erzählung ist ganz eng mit dem Neujahrsfest (Rosch ha-Schana) verknüpft, deshalb wird diese Passage auch zu Rosch ha-Schana in der Synagoge aus der Torarolle gelesen. Der Zusammenhang besteht darin, dass wir alle nur wegen dieser Tat Avrahams auf das Erbarmen Gottes hoffen können und wir unsere Sünden nicht angerechnet bekommen (und Rosch ha-Schana ist ja der Tag, an dem Gott die guten und schlechten Taten der Menschen aufrechnet!). Avraham war sozusagen so gerecht, dass es für uns, die wir alles andere als das sind, immer noch reicht. Deshalb wird ja auch zu Rosch ha-Schana das Widderhorn, der Schofar, geblasen, weil anstelle von Jizchaq ein Widder geopfert wurde.
A) Allgemeine Fragen zur Parascha
Was wollten die drei Männer von Avraham und Sara?
Welchen Auftrag hatten die Männer, die bei Avraham zu Besuch waren, noch?
Als es um die Zerstörung Sedoms ging, handelte Avraham richtig mit G“tt. Bei wievielen Gerechten hörte Avraham schließlich auf, mit G“tt zu rechnen.
Wie bekamen die Töchter Lots, obwohl sie keine Männer mehr hatten und nur einsam im Gebirge hausten, doch noch Söhne?
Wie alt war Avraham, als Sara ihm Jizchaq geboren hat?
Wann wurde Jizchaq beschnitten?
Wer war der Vater von Jischmael?
Weshalb musste Hagar mit ihrem Sohn fortgehen? Wer hatte etwas dagegen?
B) Fragen für Fortgeschrittene
Im Midrasch wird Noach mit Avraham verglichen. Und es heißt, dass Noach zu seiner Zeit ein Gerechter war. Aber im Vergleich zu Avraham war er kein Gerechter. Wie kommt der Midrasch wohl auf diese Einschätzung. (Tipp: Denkt an die Geschichte, in der Avraham mit G“tt um die Gerechten handelt!).
Zehn Gerechte in einer Stadt, dann ist die Stadt gerettet. Weshalb Zehn, weshalb genügt nicht ein einzelner Gerechter? Wo spielt übrigens heute noch die Zehnzahl von Menschen im G“ttesdienst eine Rolle?
Wieviele Gerechte gab es in Sedom (Achtung!)?
Gegen welches Verbot verstoßen die Töchter Lots?
Kennst du die Geschichte, wie Sara sich als Avrahams Schwester ausgibt, schon. Wie ging die Geschichte dort?
Das Lachen spielt in dieser Parascha immer wieder eine Rolle. Versuche zu erklären, weshalb das so eine große Rolle spielt und was das alles mit Saras Sohn zu tun hat.
Die Bindung Jizchaqs wird am zweiten Tag Rosch ha-Schana aus der Torarolle gelesen. Was hat diese Geschichte mit Rosch ha-Schana zu tun?
Im Text sind einige Wörter/Sätze unterstrichen. Wenn man mit der Maus darüber geht, dann macht sich rechts ein Fenster auf mit einem Kommentar.
Manchmal sind das nur erläuternde Sätze, oft aber versuchen wir hier, das wiederzugeben, was Raschi zu der entsprechenden Stelle kommentiert hat. Dadurch bekommt man eine Hilfe an die Hand, in welch unterschiedlicher Weise die Tora interpretiert werden kann.
Wir nehmen deshalb Raschi, weil er für die jüdische Auslegung der Bibel sehr wichtig geworden ist. Raschi hat es verstanden, die vielen Auslegungen, die es zu seiner Zeit in den Midraschim gab, zu bündeln und daraus sozusagen das Wichtigste zu betonen. Raschi hilft heute vor allem darin, uns zu lehren, den Text sehr genau zu lesen und immer wieder Fragen an den Text zu stellen. Für Raschi war der Text nie einfach nur da und schon gar nicht dafür da, ihn einfach "herunterzubeten".
Natürlich konnten wir hier den Raschi-Kommentar nicht vollständig wiedergeben, auch nicht wörtlich. Aber wir wollten wenigstens einen Eindruck verschaffen, in der HOffnung, auch den Bibeltext verständlicher werden zu lassen
Da wir hier noch eine Baustelle haben und wir Woche für Woche uns voranarbeiten, sind natürlich noch nicht alle Stellen kommentiert. Das werdet Ihr aber ganz einfach daran merken, dass im Text nichts mehr unterstrichen ist.