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copyright 2011 Hanna Liss u. Bruno Landthaler
(12) Eines Tages sagte der Ewige zu Avram: „Zieh weg aus deiner Heimat, wo deine Verwandten wohnen und wo dein Vater eine Bleibe gefunden hat, und geh in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich möchte dich nämlich zu einem großen Volk machen, ich möchte dich segnen und deinen Namen berühmt werden lassen. Auch du sollst ein Segen sein für alle Völker auf der Erde.“
Da brach Avram auf und zog fort, wie es ihm der Ewige gesagt hatte. Und auch Lot, sein Neffe, zog mit ihm.
Avram war 75 Jahre alt, als er von Charan aufbrach. Avram nahm seine Frau Sarai mit, seinen Neffen Lot und alle ihre Sachen und auch die Diener, die sie in Charan angestellt hatten. Und sie zogen aus und wanderten bis in das Land Kanaan.
Dort wanderten sie bis in die Gegend um die Stadt Schechem, bis sie zu dem Eichenwäldchen More kamen.
Als sie sich dort niedergelassen hatten, da zeigte sich der Ewige dem Avram. Der sagte zu ihm: „Dieses Land hier, das möchte ich deinen Kindern und Enkeln geben!“ Da baute Avram dem Ewigen, der sich ihm gezeigt hatte, einen Altar. Und sie brachen wieder auf und zogen weiter, bis sie ins Gebirge in der Nähe von Bet-El kamen und schlugen dort ihre Zelte auf. Und auch hier baute Avram dem Ewigen einen Altar und rief den Namen des Ewigen aus. Aber Avram blieb hier nicht, sondern brach wieder mit allem, was er bei sich hatte, auf und zog immer weiter nach Süden.
Während Avram durch das Land zog, brach plötzlich eine Hungersnot aus, so dass er sich nirgendwo niederlassen konnte. Deshalb zog Avram weiter bis nach Ägypten, um sich dort aufzuhalten, bis die Hungersnot in Kanaan vorüber war.
Als er bis kurz vor die Grenzen Ägyptens gewandert war, sagte er zu seiner Frau Sarai: „Hör mal zu, liebe Sarai. Du weißt, dass du eine sehr schöne Frau bist. Wenn die Ägypter dich nun so sehen und glauben, dass du meine Frau seist, so werden sie bestimmt hergehen und mich umbringen, dich aber am Leben lassen, damit sie deine Schönheit genießen können. Deshalb denke ich, dass es besser wäre, wenn du gleich sagen würdest, dass du meine Schwester seist. Dann lassen sie mich um deinetwillen am Leben und mir wird es gut gehen dank deiner Schönheit.“
Und so machten sie es auch. Als Avram nun nach Ägypten einreiste, sahen die Ägypter die Frau, und sie fanden sie überaus schön. Und auch die ganzen Fürsten des Pharao sahen sie und freuten sich an der Schönheit Sarais, und sie berichteten dem Pharao von der fremden, schönen Frau. Und es dauerte nicht lange, da wurde Sarai in den Palast des Pharao gebeten, während Avram dank seiner Frau reich beschenkt wurde mit Schafen, Rindern und Eseln, mit Dienern und Dienerinnen, sogar mit Kamelen.
Aber der Ewige sah es gar nicht gerne, dass Sarai in den Palast des Pharao gebracht worden war. Deshalb schickte er allerlei üble Plagen über das ganze Haus des Pharao, so dass es dem Pharao und seinem ganzen Hofstaat recht übel erging. Da ließ Pharao den Avram rufen und sagte ihm: „Was hast du mir da angetan? Warum hast du mir nicht gesagt, dass Sarai deine Frau ist und hast sie als deine Schwester ausgegeben? Aber nun, wo ich es weiß: Hier ist deine Frau, nimm sie und geh mit ihr.“
Und der Pharao befahl einigen Männern, Avram und seinen ganzen Tross zu geleiten, bis sie aus Ägypten draußen waren.
(13) So wanderte Avram also mitsamt seiner ganzen Habe aus Ägypten hinaus und weiter hoch in den Norden.
Inzwischen war Avram sehr reich geworden an Vieh und an Silber und Gold. Er zog den Weg, den er vorher nach Süden gewandert war, wieder nach Norden zurück, bis nach Bet-El, wo er dem Ewigen einen Altar erbaut hatte. Und auch diesmal machte er dort Halt und rief den Namen des Ewigen aus.
Auch Lot, der die ganze Zeit mit Avram gewandert war, war reich geworden und hatte viele Schafe, Rinder und Zelte. Doch das Land, in dem sie nun ihre Zelte aufgeschlagen hatten, war zu klein, als dass beide, Avram und Lot, mit ihren Herden sich hier hätten niederlassen und zusammen wohnen können. Schließlich wohnten auch noch die anderen Völker hier, die in dieser Gegend ihre Herden schon lange weiden ließen. Auch brach Streit aus zwischen den Viehhierten von Avram und den Viehhirten Lots.
Da sagte Avram zu Lot: „Lass uns doch nicht wegen des Landes streiten. Auch unsere Hirten sollen keinen Streit untereinander haben, schließlich bist du doch mein Neffe. Ich mache dir einen Vorschlag: Das ganze Land steht dir offen, trenne dich einfach von mir, wir wollen jeder einen eigenen Weg gehen. Willst du nach links in diese Gegend, so gehe ich nach rechts, willst du aber nach rechts in die andere Gegend, so gehe ich nach links.“ Da schaute sich Lot um und sah, dass das ganze Gebiet des Flusses Jordan überall bewässert und sehr fruchtbar war. Da wählte er also die Ebene am Fluss Jordan und zog mit seiner Herde nach Osten.
So trennten sich Avram und Lot voneinander. Avram blieb im Land Kenaan, und Lot wohnte fortan in den Städten des Jordan und schlug seine Zelte bis zur Stadt Sedom hin auf. Die Leute von Sedom waren aber ziemlich übel und sie verhielten sich keineswegs so, wie es dem Ewigen gefallen hätte.
Der Ewige sagte zu Avram: „Schau nur hin über das ganze Land, in dem du nun wohnst. Schau nach Norden, nach Süden, nach Osten und nach Westen. Dieses ganze Land, das du siehst, werde ich dir und deinen Kindern und Enkeln für immer geben. Und ich will deine Nachkommen so zahlreich wie den Staub der Erde machen. Mach dich auf, durchzieh das Land der Länge und Breite nach, denn dir werde ich es geben.“
Und Avram zog mit seinen Zelten weiter, bis er zu dem Eichenwäldchen Mamre bei Hebron kam. Da ließ er sich nieder und baute dem Ewigen einen Altar.
(14) Nachdem sich Avram und Lot getrennt hatten und nun eigene Gebiete hatten, wo sie wohnten, da geschah es, dass zwischen den umliegenden Königen ein Krieg ausbrach. Auch der König von Sedom, wo Lot wohnte, war in den Krieg hineingezogen worden. Und bei einer großen Schlacht, wo die Soldaten gegeneinander kämpften, geschah es, dass der König von Sedom in die Flucht geschlagen wurde, so dass sich die anderen Könige über die Stadt Sedom hermachten und alles raubten, was sie in der Stadt fanden. Auch die Menschen von Sedom nahmen sie gefangen mit. Und weil Lot in der Nähe von Sedom lebte, war auch Lot unter den Gefangenen dabei.
Das bekam Avram eines Tages mit, dass sein Neffe Lot gefangen worden war. Da nahm er von seinen Leuten die Stärksten und Mutigsten und machte sich auf, seinen Neffen Lot zu befreien. Und weil Avram genügend Männer mitgenommen hatte, gelang ihm das auch und er konnte Lot und all seine Habe, das die Soldaten geraubt hatten, wieder befreien.
Auf der Rückreise trafen Avram und Lot den König von Sedom, der nun endlich, nachdem der Krieg beendet war, wieder nach Hause reiten konnte. Und weil der König von Sedom sehr froh darüber war, dass Avram die ganzen Leute und alles, was die Feinde geraubt hatten, befreien konnte, machten sie ein großes Fest bei dem König von Schalem, der Melkizedek hieß.
Melkizedek sagte zu Avram: „Gesegnet sei Avram vom höchsten G“tt, der Himmel und Erde gemacht hat. Und auch der höchste G“tt soll gelobt sein, dass er Avram alle seine Feinde hat besiegen lassen.“ Da sagte der König von Sedom: „Lieber Avram. Du hast meine Leute befreit, du hast alles zurückgeholt, was meine Feinde mir geraubt haben. Es ist recht und billig, wenn du mir allein die Leute, die zu mir gehören, wieder gibst. Alle Schätze, die mir einmal gehört haben, die du aber wieder zurückgeholt hast, das alles sollst du selbst behalten.“ Aber Avram sagte zum König von Sedom: „Ich habe bei meinem G“tt geschworen, dass ich kein Fädchen, keinen Schnürsenkel, nichts von dem, was dir gehört, behalten möchte. Du sollst nicht sagen können, dass du mich reich gemacht hast. Deshalb sage ich dir: Nichts für mich. Nur was meine Leute verzehrt haben, sollst du ersetzen.“
Und so machten sie es, und sie gingen wieder auseinander. Lot zog in die Gegend von Sedom und Avram ging mit seinen Leuten wieder zurück nach Mamre.
(15) Nach diesen Ereignissen zeigte sich der Ewige wieder einmal dem Avram und sagte zu ihm: „Avram, du brauchst dich nicht zu fürchten. Egal was passiert, ich bin für dich wie ein Schild, der dich beschützen wird, dein Lohn soll sehr groß sein.“
Da sagte aber Avram: „Ach Ewiger, was willst du mir denn schon geben? Schau, ich habe nicht einmal Kinder, und alles, was ich habe, wird irgendwann mein Diener Elieser erhalten.“
Da bekam Avram mitgeteilt: „Nein, der wird dich nicht beerben. Vielmehr soll dein eigener Sohn einmal alles von dir erhalten.“ Und der Ewige führte Avram hinaus ins Freie und sagte zu ihm: „Schau mal hoch zum Himmel und versuche, die Sterne zu zählen. So zahlreich, wie die Sterne sind, sollen deine Nachkommen werden, das verspreche ich dir.“ Und Avram war gar nicht überrascht. Er glaubte, was er gehört hatte, und das freute den Ewigen sehr, und er bestärkte Avram in seiner Aufrichtigkeit. Deshalb sagte er zu Avram: „Ich bin der Ewige, der dich aus deiner Heimat hierher gebracht hat, um dir dieses Land als deinen Teil zu geben.“
Avram fragte: „Aber woran soll ich denn erkennen, dass es einmal mir gehören wird? Da sagte der Ewige zu ihm: „Bring mir ein dreijähriges Kalb, eine dreijährige Ziege und einen dreijährigen Widder, dazu eine Turteltaube und eine junge Taube.“ Und Avram machte, was der Ewige gesagt hatte, und brachte die Tiere heran. Daraufhin zerschnitt er die Tiere, bis auf die Vögel, in der Mitte entzwei und legte jedes Stück eines Tieres dem anderen gegenüber. Aber es kamen Raubvögel herabgestürzt und wollten sich über die toten Tiere hermachen. Avram hatte sehr zu tun, sie zu verscheuchen.
Als die Sonne allmählich unterging, wurde Avram plötzlich sehr müde. Da erschrak er, weil es um ihn herum sehr dunkel wurde, so dass er nichts mehr sehen konnte. Aber da hörte er die Stimme des Ewigen, die zu ihm sagte: „Avram, du sollst wissen, dass deine Nachkommen, die ich dir versprochen habe, in späteren Zeiten einmal Sklaven sein werden in einem fremden Land. Sie werden den Fremden dienen müssen, man wird sie mit harter Arbeit bedrängen, viele, viele Jahre lang. Aber ich werde mein Urteil über dieses fremde Volk aussprechen, und dann werden deine Nachkommen ausziehen können mit ihrer ganzen Habe. Aber dir, Avram, wird nichts geschehen, du wirst ein glückliches Leben haben und einmal hochbetagt in Frieden sterben.“
Als nun die Sonne untergegangen war, da sah Avram einen rauchenden Ofen und eine glühende Flamme, die zwischen den Tierstücken züngelte. Das war der Tag, an dem sich der Ewige mit Avram besonders verbündete und ihm sagte: „Deinen Nachkommen will ich dieses Land geben.“
(16) Sarai, die Frau Avrams, konnte keine Kinder bekommen, sie war unfruchtbar. Aber sie hatte eine ägyptische Dienerin, die Hagar hieß.
Da sagte sie eines Tages zu Avram: „Ach Avram, du weißt ja, dass ich gerne Kinder bekommen hätte. Aber es sollte nicht sein, diese Freude durfte ich nie haben. Deshalb denke ich, dass du einfach zu meiner Dienerin Hagar gehen solltest, vielleicht wird sie ja schwanger, und dann könnte ich Kinderfreuden durch sie erleben.“
Und Avram hörte auf seine Frau Sarai und machte es so, wie sie es sich vorgestellt hatte. Sie gab ihre Dienerin Hagar ihrem Mann Avram, und Avram kam zu Hagar, und es dauerte nicht lange, da wurde Hagar tatsächlich schwanger.
Aber sobald Hagar merkte, dass sie schwanger war, wurde sie ihrer Herrin gegenüber sehr hochnäsig und ließ sich nichts mehr sagen. Das missfiel Sarai sehr, denn bisher war ihre Dienerin stets zuverlässig und sauber. Sarai ging zu Avram und sagte ihm: „Hast du Hagar den Kopf verdreht? Ich selbst habe dir Hagar gegeben. Aber sobald sie merkte, dass sie schwanger war, wurde sie mir gegenüber aufmüpfig, hatte überhaupt keinen Respekt mehr vor mir.“ Da sagte Avram: „Aber was willst du? Hagar ist deine Dienerin, du kannst doch über sie selbst bestimmen.“
Da besann sich Sarai und machte Hagar das Leben schwer, so schwer, dass es Hagar irgendwann zu viel wurde, und sie einfach ging.
Aber ein Bote des Ewigen fand Hagar in der Wüste an einer Wasserquelle und sagte zu ihr: „Hagar! Woher kommst du und wohin willst du denn?“ Da antwortete Hagar: „Ich bin meiner Herrin davongelaufen.“ Und der Bote sagte: „Kehr um, geh zurück zu Sarai, auch wenn es dir schwer fällt. Aber du sollst viele Kinder und Enkel bekommen, so zahlreich, dass man sie kaum zählen kann. Sieh her: Du bist schwanger und du wirst einen Sohn gebären. Den sollst du Jischmael nennen, denn der Ewige hat dein Elend gesehen. Aber ich sage dir schon jetzt: Dein Söhnchen wird ein wilder Bursche werden, er wird mit allen Streit anfangen und alle werden mit ihm streiten.“
Hagar war darüber so erstaunt, dass sie nur sagen konnte: „Du bist ein G“tt des Sehens.“
Und Hagar kehrte zurück zu Sarai. Und nicht lange, da gebar Hagar dem Avram einen Sohn. Und Avram nannte seinen ersten Sohn Jischmael. Zu dieser Zeit war Avram 86 Jahre alt.
(17) Als Avram 99 Jahre geworden war, da kam wieder der Ewige und zeigte sich ihm. Und er sagte zu ihm: „Ich bin G“tt, der Allmächtige. Ich habe dir wieder etwas zu sagen: Ich möchte, dass du ein gerechtes Leben führst und dich darin immer weiter übst. Wenn du das tust, dann will ich mich mit dir ganz eng verbünden und dir versprechen, dass deine Nachkommen zahlreich sein werden.“
Da erschrak Avram und fiel auf sein Gesicht, aber G“tt sprach mit ihm weiter: „Und weil du zum Vater so vieler Menschen werden sollst, sollst du von nun an auch nicht mehr Avram, sondern Avraham heißen. Denn du sollst zum Vater so vieler Menschen werden. Du sollst sehr fruchtbar werden, Völker, ja Könige sollen von dir abstammen. Ja, ich will mich mit dir sehr eng verbünden und mit dir sein, und auch mit deinen Nachkommen werde ich sein, ich will dir und deinen Nachkommen G“tt sein. Und ich werde dir und deinen Nachkommen dieses Land geben, das ganze Land Kenaan, ihr sollt es für ewig besitzen. Aber du musst mir versprechen, etwas sehr Wichtiges einzuhalten, du und deine Kinder und Enkel und Urenkel: Alle kleinen Jungen, die bei euch geboren werden, sollen beschnitten werden, denn das soll das Zeichen dafür sein, dass du und ich ganz eng miteinander verbündet sind. Und zwar sollt ihr eure kleinen Jungen am achten Tag nach der Geburt beschneiden, alle Jungen, die bei euch geboren werden oder die zu euch gehören. Denn das soll das Zeichen zwischen dir und mir sein. Aber ein Mann, der nicht beschnitten ist, soll unter euch nicht sein, das sollt ihr nicht dulden.“
Und G“tt sprach weiter: „Auch deine Frau Sarai sollst du von nun an nicht mehr Sarai nennen, sondern Sara. Denn ich will sie segnen und euch beiden einen Sohn geben. Denn von euch beiden sollen viele Menschen, ja Könige und Völker abstammen, von dir und von Sara.“
Da fiel Avraham wieder auf sein Gesicht, aber diesmal lachte er. Denn er dachte sich: Soll ich noch, der ich nunmehr schon fast hundert Jahre alt bin, einen Sohn zeugen? Oder gar Sara, die auch schon neunzig Jahre alt ist, soll die noch einen Sohn gebären?
Aber das sagte er nicht, vielmehr sprach er zum Ewigen: „Ich habe doch Jischmael. Er ist mein Sohn, sollen von ihm doch die vielen Völker und Könige abstammen.“ Aber G“tt erwiderte ihm: „Nein! Deine Frau Sara wird dir einen Sohn gebären, und den sollst du Jizchaq nennen. Denn auch mit ihm möchte ich mich verbünden. Aber was Jischmael angeht, so wird auch er nicht leer ausgehen. Von ihm werden ebenfalls viele Völker abstammen. Aber mit Jizchaq möchte ich mich verbünden, nicht mit Jischmael.“
Als G“tt aufgehört hatte, mit Avraham zu sprechen, da nahm Avraham sofort seinen Sohn Jischmael und alle, die in seiner Obhut geboren worden waren, und beschnitt sie alle noch am selben Tag.
Avraham war 99 Jahre alt, als er beschnitten wurde, und Jischmael war 13 Jahre alt.
Fortsetzung Paraschat Wajera
Gen 12,1 - 17,27, Haftara: 40,27 - 41,16
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Mit dieser Parascha beginnen die Erzählungen von den Stammeltern, und damit die unmittelbare Vorgeschichte des Volkes Jisrael. Wie sehr diese Erzählungen bereits auf das Volk Jisrael ausgerichtet sind, erkennt man schon in dieser Parascha an dem wiederholten Versprechen G“ttes, aus einem einzelnen Elternpaar (Sara und Avraham) ein ganzes Volk werden zu lassen und die Einnahme eines ganzen Landes. Wie vor allem diese Parascha zeigt, sind beide Versprechen deutliche Verweise auf die Zukunft. Denn der Nachwuchs will sich nicht gleich und vor allem nicht zahlreich einstellen - zumindest aus der Sicht von Sara und Avraham sind die zahlreichen Nachkommen ein Versprechen für spätere Generationen, beide bekommen gerade mal einen Sohn. Aber auch das zweite Versprechen (Land) ist alles andere als eine unmittelbare Zukunftsperspektive für Sara und Avraham. Denn aus unserem Text geht hervor, dass die ersten Stammeltern permanent unterwegs waren und sich eben nicht im versprochenen Land niederlassen konnten.
Aber die Tora will genau diesen Spannungsbogen erzählen. Ein Versprechen (die Tora spricht von „Bund“) wird nicht einfach und unmittelbar eingelöst, sondern dynamisiert die gesamte Geschichte eines Volkes. Deshalb sind die Ereignisse, von denen die Tora bezüglich der Stammeltern erzählt, nicht einfach kontingente Geschehnissse, die in alten Zeiten irgendwelchen Menschen widerfahren sind, sondern die Erzählung von dem langen Weg hin zu einem ganzen Volk und zu einem eigenen Land.
Das ist der Unterschied zwischen „Historie“ und „Geschichte“. Die historische Rückfrage möchte die Einzeldaten der handelnden Personen eruieren, die Geschichte deutet dagegen das Dagewesene als ein Hinlaufen auf einen bestimmten wichtigen Punkt in der Geschichte, von der aus sich die Jetztzeit in seinem Selbstverständnis verstehen möchte. Deshalb ist es auch unerheblich, immerzu die Frage beantworten zu wollen, ob sich denn alles so zugetragen hat, wie es hier beschrieben wird. Vielmehr ist es entscheidend, den erzählten Spannungsbogen als das lange Werden eines Volkes begreifen zu lernen.
A) Allgemeine Fragen zur Parascha
Als Avram und Sarai nach Kenaan aufbrechen, kommt ein Verwandter von Avram mit. Wie heißt dieser Verwandte?
Avram und Sarai werden von G“tt verschiedene Dinge versprochen. Was verspricht G“tt ihnen denn? Bekommen sie auch das, was ihnen G“tt versprochen hat?
Wo werden Avram und Sarai eigentlich sesshaft?
Weshalb trennen sich Avram und Lot?
Wohin geht Lot mit seinen Leuten und seinen Herden?
Weshalb lacht Avram, als er von G“tt erfährt, dass er noch einen Sohn bekommen soll?
B) Fragen für Fortgeschrittene
Avram und Sarai sind in dieser Parascha ziemlich viel unterwegs. Achte im Text einmal darauf, wohin die beiden wandern? Kannst du beschreiben, wie sie etwa gewandert sind?
G“tt schließt mit Avram (und Sarai) eine Berit (einen Bund, ein Versprechen, einen Vertrag). Was erwartet G“tt dafür von Avram?
Kommen dir einige Stellen aus dieser Parascha nicht bekannt vor? Denk mal an die Zeit, als die Israeliten in Ägypten waren und Mosche begann, sie von Pharao zu befreien. Wird dies nicht auch in dieser Parascha an verschiedenen Stellen erzählt, oder erinnert zumindest daran?
Im Text sind einige Wörter/Sätze unterstrichen. Wenn man mit der Maus darüber geht, dann macht sich rechts ein Fenster auf mit einem Kommentar.
Manchmal sind das nur erläuternde Sätze, oft aber versuchen wir hier, das wiederzugeben, was Raschi zu der entsprechenden Stelle kommentiert hat. Dadurch bekommt man eine Hilfe an die Hand, in welch unterschiedlicher Weise die Tora interpretiert werden kann.
Wir nehmen deshalb Raschi, weil er für die jüdische Auslegung der Bibel sehr wichtig geworden ist. Raschi hat es verstanden, die vielen Auslegungen, die es zu seiner Zeit in den Midraschim gab, zu bündeln und daraus sozusagen das Wichtigste zu betonen. Raschi hilft heute vor allem darin, uns zu lehren, den Text sehr genau zu lesen und immer wieder Fragen an den Text zu stellen. Für Raschi war der Text nie einfach nur da und schon gar nicht dafür da, ihn einfach "herunterzubeten".
Natürlich konnten wir hier den Raschi-Kommentar nicht vollständig wiedergeben, auch nicht wörtlich. Aber wir wollten wenigstens einen Eindruck verschaffen, in der HOffnung, auch den Bibeltext verständlicher werden zu lassen
Da wir hier noch eine Baustelle haben und wir Woche für Woche uns voranarbeiten, sind natürlich noch nicht alle Stellen kommentiert. Das werdet Ihr aber ganz einfach daran merken, dass im Text nichts mehr unterstrichen ist.